Wunschliste der Selbstlerner
| Frei nach "The bitter homeschooler's wish list" aus "Secular Homeschooling Magazine", IAusgabe 1 (ins Deutsche übertragen von Birgit A. mit Änderungen von Jan E.) 1.Hör' auf, uns zu fragen, ob es legal ist. Wenn es das ist – und das ist es – ist es beleidigend uns in die Nähe von Kriminellen zu rücken. Und wenn wir Kriminelle wären, würden wir es dann zugeben? 2.Verstehe endlich den Unterschied zwischen „sozialisieren" und „Sozialisation" und verwende das, was du wirklich meinst, statt diese Begriffe zu verdrehen. Sozialisieren meint das Abhängen mit Anderen und herumzublödeln. Sozialisation aber bedeutet, die Fertigkeiten erlangt zu haben, die nötig sind, um dies erfolgreich und ansprechend zu tun. Wenn du mit mir und meinen Kindern redest, bedeutet das, dass wir tatsächlich 'raus gehen, um hin und wieder andere Menschen zu treffen und du kannst getrost annehmen, dass wir eine ziemlich gute Kenntnis von beiden Dingen haben. 3.Hör' auf, mein Kind während seiner Tanzstunden, Pfadfindertreffen, Chorproben, Reitunterricht, Malkurse, Ausflüge, Parkaufenthalte, Musikstunden, Landjugendtreffen oder Fussballtrainings zu unterbrechen, um es zu fragen, ob es als Homeschooler ausreichend sozialisiert wird. 4.Geh nicht davon aus, dass jeder Homeschooler, den du triffst aus den gleichen Gründen und auf die selbe Art zu Hause lernt, wie der eine Homeschooler, den du kennst. 5.Wenn der eine Homeschooler, den du kennst, jemand ist, den du im Fernsehen – sei es in den Nachrichten oder in einer „Realiy" Show – gesehen hast, zählt Punkt 4 doppelt! 6.Bitte hör auf, uns Horrorgeschichten zu erzählen von dem einen Homeschooler, den du kennst oder von dem Du gehört hast oder meinst du könntest ihn eventuell kennen, der sein Leben mit Homeschooling ruiniert hat. Vermutlich bist du der gleiche Spaßvogel, dessen Hobby es ist, zu allen schwangeren Frauen zu rennen und vorzeitige Wehen zu verursachen, indem du ihnen jede grausige Geburtsgeschichte erzählst, die du je gehört hast. Wir alle hassen das, also bitte verschwinde! 7.Wir verdrehen nicht die Augen und fangen an, deine Kinder auszufragen, wenn wir hören, dass sie in eine öffentliche Schule gehen. Bitte hör' auf, unsere Kinder zu bearbeiten, als wären sie ein potentielles Ölfeld um herauszufinden, ob wir das Richtige tun für das, was du als angemessene Bildung ansiehst. 8.Hör' auf zu glauben alle Homeschooler seinen religiös. 9.Hör' auf zu glauben, dass wenn wir uns Christen nennen, wir religiöse Gründe für Homeschooling haben. 10.Wir haben nicht das ganze Homeschooling wie Lesen, Denken, Abwägen, Schreiben, Streiten, Experimentieren, Rechnen etc. durchgemacht, um dich zu ärgern. Wirklich! Das war eine zutiefst persönliche Entscheidung, angepasst an die Situation unserer Familie. Hör' auf, die reine Tatsache, dass wir für Bildung nicht zur Schule gehen als entweder eine Beleidigung oder ein Urteil über deine eigenen pädagogischen Entscheidungen anzusehen. 11.Bitte hör' auf, meine Kompetenz in Frage zu stellen und meine Lehrbefähigungen sehen zu wollen. Ich musste auch keine 5-Sterne-Koch-Ausbildung machen, um erfolgreich ein Essen für meine Familie zu kochen; ich brauche kein Staatsexamen, um meinen Kindern alles nötige beizubringen. Wenn die 12 Jahre Lehranstalt in der Art von „Runterschlingen-und-wieder-Rauskotzen", die wir öffentliche Schule nennen, mir so wenig Bildung vermittelt hat, dass ich nicht mal die Grundlagen für meine Liebsten legen kann, ist das vielleicht der Grund, warum ich so abgeneigt bin, mein Kind in die Schule zu schicken. 12.Wenn mein Kind gerade 6 Jahre alt ist und du fragst mich mit ernster Miene, wie ich ihm beibringen kann, was es gerade vermutlich in der Schule lernen würde, versteh' bitte, dass du mich damit einen Idioten nennst. Wundere dich nicht, wenn ich anfange angemessen zu reagieren. 13.Hör auf anzunehmen, dass weil das Wort „Home" in „Homeschooling" vorkommt, wir nie unser Haus verlassen. Wir sind diejenigen, die mitten in der Woche in die Ausstellungen, Museen, Zoos und in den Zirkus gehen, auch außerhalb der Saison, und die über dich lachen, weil du am Wochenende und in den Ferien gehen musst, wenn es überfüllt und schmutzig ist. 14.Hör auf anzunehmen, dass weil das Wort „School" in „Homeschooling" vorkommt, wir für sechs oder acht Stunden werktags am Tisch sitzen müssen, wie Dein Kind das tut. Auch wenn wir die „Schul"seite der Bildung nicht mögen – und viele von uns bevorzugen einen natürlicheren Ansatz – können wir eine Menge Material wesentlich effizienter durcharbeiten, weil wir unseren Unterricht nicht am kleinsten gemeinsamen Nenner ausrichten müssen. 15.Hör' auf zu fragen „Aber was ist mit der Abi-Party?" Sogar wenn die Idee, dass mein Kind vielleicht nicht im Stande sein wird, bei einer Nacht mit völlig überdrehtem, überteuertem Flatrate-Saufen mitzumachen, ausreichte, mein Herz zu brechen, gibt es doch genug Kinder, die in die Schule gehen und nicht zum Abiball können. Wie du weißt, war auch ich eines davon. Mag sein, dass ich darüber noch verbittert bin. Also sei bitte lieber woanders oberflächlich! 16.Frag' mein Kind nicht, ob es nicht lieber in die Schule gehen würde, wenn du nicht möchtest, dass ich dein Kind frage, ob es nicht lieber zu Hause bleiben und hier und da ein wenig mehr Schlaf oder Zeit für eigene Interessen haben möchte. 17.Hör' auf zu sagen „Oh, ich könnte niemals selbst unterrichten oder sonst für Bildung sorgen". Sogar wenn du denkst, das sei eine Art Kompliment, klingt es für mich, als seist du entsetzt. Eines Tages mache ich mir nicht mehr die Mühe, dir weiterhin zu widersprechen. 18.Wenn du dich an irgendetwas von deinem Chemie- oder Mathe-Unterricht erinnern kannst, darfst Du gerne fragen, wie wir unseren Kindern diese Dinge vermitteln. Wenn du dich nicht erinnern kannst, dann danke ich dir für die Bestätigung, dass wir keinen schlechteren Job machen können als deine Lehrer und dass wir es vielleicht sogar besser machen werden. 19.Hör' auf, mich zu fragen, ob es nicht anstrengend sei, der Lehrer meines Kindes zu sein und gleichzeitig seine Mutter oder Vater. Ich sehe keinen großen Unterschied zwischen der Art, mein Kind in akademischen Bereichen herumzukommandieren und wie ich es in anderen Bereichen tue. 20.Hör' auf zu sagen, dass mein Kind schüchtern, aufgeschlossen, aggressiv, ängstlich, ruhig, ungestüm, streitsüchtig, schmollend, zappelig, geschwätzig, weinerlich oder laut ist, weil wir Homeschooling machen. Es ist nicht gerecht, dass alle Kinder, die in die Schule gehen, so nervig sein dürfen wie sie wollen, ohne als typisch Schüler gebrandmarkt zu werden. 21.Hör' auf anzunehmen, dass mein Kind eine Art Wunderkind ist, nur weil es zu Hause lernen darf. 22.Hör' auf anzunehmen, dass ich eine Art Wunderkind sein muss, nur weil meine Kinder ihre Bildung von zu Hause aus bekommen. 23.Hör' auf zu glauben, dass ich eine Art Heilige bin, weil ich meinen Kindern das Lernen zu Hause ermögliche. 24.Hör' auf, über all die tollen Kindheitserinnerungen zu reden, die meine Kinder nicht machen werden, weil sie nicht zur Schule gehen – es sei denn, du möchtest, dass ich anfange, nach all den nicht so tollen Kindheitserinnerungen zu fragen, die du hast, weil du in die Schule gingst. 25.Zum Schluss noch ein Vorschlag: wenn Du nichts Nettes über Homeschooling sagen kannst, halt einfach mal den Mund! |
© Jan Edel im März 2007

