Politische Konzepte
Eltern-Initiativ-Schulen oder Charterschools, wie z.B. in Dänemark:
Mehrere Eltern können sich zusammentun und übernehmen eine bislang staatliche Schule oder bilden eine neue. Sofern sie 12 Kinder als Schüler haben, bekommen sie von Beginn an 75% der staalichen Mittel pro Kind. Diese Möglichkeit im dänischen Schulsystem erklärt im Übrigen, warum dort das legale Homeschooling so wenig verbreitet ist.
Hausunterricht mit öffentlicher Patenschule und/oder mit Hausbesuchen und/oder mit Internetanbindung und/oder WebCamera
Fernschule mit staatlich genehmigtem Material; warum sollte im Inland nicht funktionieren, was bei deutschen Schülerinnen und Schülern im Ausland seit Jahrzehnten großen Erfolg hat?
Mehrere Familien schließen sich zusammen und stellen in Eigeninitiative einen oder mehrere staatlich examinierte LehrerInnen ein. Leistungen könnten staatlich zentral geprüft werden.
Bildungsreform - Gesetzadaption
Konkrete Ansätze und Überlegungen dazu
Häuslicher Unterricht, homeschooling, ist eine inzwischen in allen US-Staaten legalisierte Alternative zum Schulunterricht. In Texas müssen die Eltern die öffentlichen Behörden nicht einmal mehr über ihre Entscheidung für den Heimunterricht benachrichtigen. Ausgaben für Kurse, die Eltern besuchen, um ihren Heimunterricht zu professionalisieren, werden in Kalifornien erstattet. Einige Universitäten, darunter auch hochrangige wie Harvard und Stanford, akzeptieren inzwischen auch zu Hause geschulte Studienbewerber - vgl.: Dunkel, M. & Gräf, P.L.& Hohensee, M. & Sauer, U.: Ernsthafte Konkurrenz. In: Wirtschafts Woche, Nr. 52, 2002, S. 56-57.
Bildungsgutscheine der Liberalen (http://www.mehr-freiheit.de/faq/bildung.html)
Stefan Blankertz zieht Steuergutschriften für "Eltern, die ihre Kinder nicht zu einer öffentlichen, sondern zu einer nicht-subventionierten privaten Schule schicken", den von Milton Friedman vorgeschlagenen Bildungsgutscheinen vor, die grundsätzlich an alle Eltern schulpflichtiger Kinder ausgegeben werden. Blankertz sieht den wesentlichen Vorteil einer Steuerminderung darin: "Während die Bildungsgutscheine verlangen, daß die gesamte Bevölkerung sich mit dem neuen System auseinandersetzt, bedeutet die Möglichkeit des Steuerrabattes, daß es für die an alternativen Bildungseinrichtungen Uninteressierten keinerlei Änderung gibt." Gerade das ist für uns ein wesentlicher Nachteil des von ihm bevorzugten Verfahrens. Die Bildungsgutscheine verlangen eine Entscheidung über ihre Nutzung. Damit wird erst vielen Eltern bewußt, daß sie eine Wahl haben, daß nunmehr sie im Bildungsbereich die Macht haben und nicht mehr eine Schulbürokratie, die bisher über die Verwendung des Bildungsbudgets entschieden hat. Die Gewöhnung an so viel ungewohnte Freiheit mag manchen schwer fallen. Es ist aber anzunehmen, daß dort, wo es etwas zu entscheiden gibt, die Eltern angeregt werden, alle vorhandenen pädagogischen Alternativen zur Kenntnis zu nehmen und deren Vor- und Nachteile abzuwägen. Die Bildungsgutscheine geben allen eine Chance, die Schule ihrer Wahl zu erhalten, während die Steuergutschriften nur jenen zugute kämen, die in Bildungsfragen überdurchschnittlich aktiv sind.
Steuervergünstigungen für Eltern, die Ihre Kinder von Privatlehreren oder an nicht staatlich geförderten Einrichtungen unterrichten lassen.
Bei den Gesprächspartnern ist deutlich geworden, dass das allgemeinbildende Schulwesen in den USA ein immer wichtiger werdendes Segment für den E-Learning-Markt darstellt, in dem ein breites Anbieterspektrum zu verzeichnen ist. Hier finden sich etablierte Verlage und neue Medienhäuser, non-profit und for-profit-Bildungsinstitutionen, auch Produzenten von Hard- und Software, die alle ein gewissermaßen natürliches Interesse daran haben, ihre Produkte in dem lukrativen Markt zu platzieren. In diesem weiten Rahmen betrachten wir vier Anbieter etwas näher. Wer weiß schon, dass zwei Millionen junger Amerikaner nicht am allgemeinen Schulunterricht teilnehmen, weil sie daheim „beschult” und privat - d.h. in der Regel von ihren Eltern - unterrichtet werden? Die Gründer der Start-up-Firma K 12 wussten dies, als sie Ende 2000 ein Joint Venture mit dem US-Unternehmen Knowledge Universe eingingen, um mit Blick auf die Zielgruppe „schooling at home” ihre Produkte konzipierten. Viel ist im Frühling 2001 noch nicht zu sehen außer einem Prototypen, da die Firma erst im Herbst 2001 mit ihrem Erstlingswerk auf den Markt geht. Die Diskussionen mit leitenden Mitarbeitern über den Entwicklungsprozess zeigen gleichwohl die Akzentsetzungen: Man bedient bewusst die konventionellen Lehr-/Lernstrategien („traditional learning”) und bleibt damit relativ eng bei dem didaktisch-methodischen Rahmen, der aus den Schulen vertraut ist. Dieser wird im übrigen auch in den meisten Bildungssoftware-Lösungen deutlich, wie sie in den Schulen präferiert werden. K 12 verzichtet im Hinblick auf die Erwartungen ihrer Klientel in der Elternschaft bewusst darauf, in pädagogisch-didaktischer Hinsicht Reformansätze für ein neues Lernen zu entwickeln. Das Unternehmen erwartet vielmehr, durch die „powerful technology” (d.h. ein Lernportal im Internet) eine „world-class education” präsentieren zu können. Tatsächlich aber wird ein Medienmix angeboten, in dem der größte Teil der Inhalte als Druckerzeugnis auf dem Postweg versandt wird. Über das Internet werden die eher unterrichtlich-organisatorischen und -administrativen Tätigkeiten abgewickelt. Die Entscheidung des Unternehmens für dieses Marktsegment ist Ergebnis einer nüchternen Marktanalyse: Für die spezielle Zielgruppe gibt es noch keine konkurrierenden Entwicklungen. Wer also hier die entscheidenden Produkte frühzeitig platziert, wird schnell und nachhaltig den Markt bestimmen. Ab 5% der zwei Millionen potenziellen Kunden jährlich rechnen die Jung- Unternehmer mit dem Erreichen der Gewinnzone.
Im E-Learning-Bereich haben die US-Amerikaner zweifellos den Vorteil auf ihrer Seite, dass sie rein quantitativ über einen größeren Erfahrungsschatz verfügen. Dies liegt zum einen daran, dass sie schon früher begonnen haben, E-Learning in den Schulen zu praktizieren, zum anderen daran, dass sie mehr finanzielle Mittel aufbringen können. Ganz entscheidend ist ihre Grundeinstellung, mit der sie - aus ihrem sozio-kulturell geprägten Verständnis von der Nutzung neuer Technik heraus - deren potenziellen Nutzen erst in der Praxis erproben, bevor Theorien dazu entwickelt und offizielle Zustimmung von bildungspolitischer und profiliert didaktischer Seite gegeben werden. Über Vorund Nachteile lässt sich nämlich in US-Sicht besser diskutieren, wenn praktische Ergebnisse vorliegen. Dies entspricht in dieser Konsequenz zumindest im Bildungssektor nicht der deutschen Herangehensweise.
Quelle: Erkenntnisse des bmb+f (Bundesministerium für Bildung und Forschung)
| Prof. Dr. Mats Ekholm zur Autonomiesierung der Schulen in Deutschland: "Wir in Schweden haben die Bürokratie geschlachtet" oder genauer: "Was man mit der Bürokratie machen soll? Man reformiert sie. Als wir 1990 die 900 Mitarbeiter der Bürokratie entließen, gingen sie zur Universität. Ich hatte Kurse in Schulevaluation für sie organisiert, sie studierten also Schulentwicklung, und dann konnten rund 80% dieser 900 Personen in anderen Organisationen Arbeit finden; die übrigen bekamen eine Frühpensionierung." |
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Politische Konzepte in Irland (erläutert in der in Auszügen übersetzten Petrie Studie 2000)
Gesetzliche und praktische Umsetzung von Home Education in Irland (Übersetzung von der Internetseite des irischen Home Education Networks, das seit 1998 existiert)
Prof. Dr. Peter Struck zum ins 21. Jahrhundert gehende deutsche Schulsystem:
In Wirklichkeit ist das Ende der Schule heute an vielen Enden ihrer herkömmlichen Funktionen erreicht:
- Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland können trotz Schulbesuchs weder Lesen noch Schreiben.
- Nach Auskunft der Mainzer Klinik für Kommunikationsstörungen ist bereits jedes vierte Kind im Vorschulalter sprachgestört, also in Bezug auf seine Sprachentwicklung weit hinter seinen Altersgenossen zurück.
- Die weltweite Tims-Studie des Boston-Colleges bescheinigt den deutschen Schulen, dass sie bezogen auf Mathematik-Leistungen von Achtklässlern nur einen unteren Mittelplatz erreichen, die Zwölftklässler belegen in Höherer Mathematik sogar nur den drittletzten Platz. 15 bis 20 Prozent der deutschen Schüler gelten mittlerweile als rechenschwach, sechs Prozent als extrem rechenschwach. Rechenschwäche, auch Dyskalkulie genannt, ist vor allem auf Bewegungsmangel, auf Mangel an räumlichen Erfahrungen beim Spielen, auf den Mangel an Umgang mit verschiedenen Materialien und auf die fehlende Kompensation durch psychomotorische Übungen in Kindergärten und Schulen zurückzuführen. Dyskalkulie korrespondiert mit einer Schwäche, Links und Rechts unterscheiden zu können, und mit dem Phänomen, nicht gut rückwärts gehen zu können. Rechenschwache Kinder bleiben oft „zählende Rechner“, sie erkennen Mengen, Größen und logische Folgen nicht, haben keine konkrete Vorstellung von der Größe von Zahlen (100 oder 1000 sind einfach nur viel), und sie sind oft wahrnehmungsgestört. Weil sie Entfernungen und Geschwindigkeiten nicht richtig einschätzen können, verunfallen sie leichter als andere.
- So wie Schule heute durchweg noch ist, baut sie auf die erzieherische Grundversorgung des Kindes in der Familie. Nur die ist bei immer mehr Kindern nicht mehr gegeben. Hungernde Kinder lernen schlecht, Ernährung hat also etwas mit Erziehung und Lernen zu tun. Immer mehr Lehrer haben diesen Zusammenhang erkannt, und sie beginnen daher den Unterrichtstag mit einem „Schulfrühstück“ und beenden oder unterbrechen ihn mit einem „Pädagogischen Mittagstisch“.
- Etwa 20 Prozent der deutschen Schüler gelten als hyperaktiv bzw. als vom „hyperkinetischen Syndrom“ betroffen. Sie können sich im Unterricht nicht mehr gut konzentrieren, sie stören ihre Lehrer und Mitschüler als „Zappelphilippe“, und am Ende fallen sie durch schlechte Noten, zumindest aber mit erheblichen Teilleistungsschwächen auf, wenn sie nicht mit dem Medikament Ritalin ruhiggestellt oder mit Verhaltenstherapien verändert werden.
- Mit der Zunahme des Phänomens veränderte Kinder, mit dem Schwinden der häuslichen Erziehungskompetenz und der leiblichen Grundversorgung gegenüber immer mehr Kindern vergrößern sich die Verhaltensund Leistungsbandbreiten schon in der Grundschule. Es kommen immer mehr erzieherisch vernachlässigte und immer mehr häuslich gut und früh geförderte Schüler zugleich in die 1. Klassen, so dass die Lehrer mit herkömmlichen Unterrichtsmethoden nur noch den Kindern in der Leistungsmitte einer Klasse einigermaßen gerecht werden können. In dem Maße, wie immer Schüler überfordert und gleichzeitig immer mehr Schüler unterfordert werden, ist die bisherige Grundschule mit frontalen und lehrerzentrierten Vorgehensweisen in der Tat am Ende, auch weil sie den Lehrer hoffnungslos überfordert. Nur mit der Wandlung der Grundschule zur Lernwerkstatt mit Offenem Unterricht, mit Partnerarbeit und Computern, mit Wochenplanarbeit und mit vielen individualisierenden Materialien (Arbeitsblätter, Lexika, Karteikartensysteme, Druckerei), mit der Wandlung des Lehrers vom Stundengeber zum Lernberater in flexiblen Lernphasen statt der bisherigen 45-Minuten-Takte, nur mit einer anderen Fehlerkultur und mit Notenfreiheit, mit gezielt gestalteten Lern- , Entlastungs-, Spiel-, Bewegungs- und Ernährungsphasen nebst musischen Phasen, mit „Jahrgangsübergreifenden Klassen“ (wie an der Peter-Petersen-Schule in Köln, die immer zwei Jahrgänge in einen Raum setzt, so dass jeder Schüler im Wechsel mal zu den jüngeren, mal zu den älteren gehört) und mit dem in Schleswig-Holstein angedachten Prinzip „Einschulung ohne Auslese“ (alle Sechsjährigen werden ohne Schulreifetest eingeschult, ganz egal, wie weit sie in ihrer Entwicklung sind), kann sie wieder einigermaßen funktionabel werden. Wir müssen wirklich darüber nachdenken, ob es noch einen Sinn gibt, Schüler ausgerechnet nach Geburtsjahrgängen zum Lernen zusammenzuschließen, denn nirgendwo sonst wirkt das Leben so, sehen wir einmal von Getreidefeldern ab, in denen jede Pflanze genauso alt ist wie die nächste.
- Hochbegabte Kinder versagen oft in der Schule. Auf den ersten Blick wirkt diese Aussage wie ein Widerspruch in sich. Aber Kinder, die alles am Schulanfang schon können, was der Lehrer von ihnen verlangt, langweilen sich oft, so dass sie zunächst schwierig werden, dann stören, dann lästig werden und schließlich, wenn sie von den Mitschülern in den nichtintelligenzabhängigen Anforderungen (Ordnungsverhalten, sauber schreiben, Hefte mitbringen, Unterschriften vorlegen, Ergebnisse unterstreichen) überholt werden, in Form schlechter Berichts- oder Notenzeugnisse versagen. Weil die Kräfte der Lehrer zu stark von den schwachen und durchschnittlichen Schülern gebunden werden, vernachlässigen sie die frühund hochbegabten bzw. die schon intensiv von zu Hause her geförderten, und wenn die dann schließlich mit Verhaltensstörungen stören, versuchen Lehrer nicht selten, sich dieser Schüler zu entledigen. Mittlerweile ist dieses Problem in den meisten Bundesländern erkannt worden, so dass beispielsweise die Hamburger Schulbehörde eine „Beratungsstelle für besondere Begabungen“ eingerichtet hat, die solchen Kindern und ihren Eltern hilft. Franz J. Mönks von der Universität Nijmwegen schätzt, dass zehn bis 15 Prozent eines Schülerjahrgangs „Spitzen- und Hochbegabte“ sind (Hochbegabte werden mit einem IQ ab 130 definiert). Das bedeutet, dass in Deutschland pro Jahr etwa 70 000 bis 80 000 solcher Kinder eingeschult werden, für die die herkömmliche Schule eigentlich nicht mehr taugt. In Berlin hat man für sie „Expreß-Abi-Klassen“ zum Abitur nach Klasse 12 eingerichtet, die in Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz „D-Zug-Klassen“ heißen und eine Aufnahmeprüfung nach Klasse 4 oder 6 voraussetzen. Aber immer mehr Eltern wollen für ihren hochbegabten Nachwuchs keine staatlichen Antworten mehr; sie lassen ihn durch eine der Außenstellen des Nachhilfeunternehmens „Studienkreis“ fördern oder samstags in speziellen Kursen für hochbegabte Schüler an Universitäten (z.B. in Hamburg), oder sie melden ihr Kind zu einer der drei „Jugenddorf- Christophorusschulen“ für Hochbegabte des Christlichen Jugenddorfwerkes (CDJ) in Braunschweig, Rostock und Königswinter, wenn sie nicht gar ganz auf Eliteinternate und -schulen in Großbritannien, in der Schweiz und in den USA ausweichen. Die Zahl der deutschen Privatschüler, die Schulen in Großbritannien besuchen, hat sich jedenfalls in den letzten Jahren versiebenfacht.
- Es gibt immer Schüler, die mehr lernen wollen oder anderes lernen wollen, als die Schule ihnen bietet. So gingen in Hamburg jüngst viele Schüler auf die Straße, um gegen Unterrichtsausfall zu protestieren, so wählen junge Menschen Privatschulen, an denen sie auch Japanisch, Chinesisch oder Betriebswirtschaft lernen können, und so klagte ein Schüler in Berlin dagegen, dass er in der Oberstufe zwangsweise mit Chemie beschult wurde, weil er meinte, die Schule würde ihm so viel wichtige Lernzeit rauben, die er lieber für dasjenige einsetzen würde, was er eigentlich lernen möchte. Als Folge unserer meinungs- und wertepluralistischen Gesellschaft sind Elternerwartungen und Schülerwünsche eben vielgestaltiger als in einem totalitären System, und nur mit einer höchst bunten Schullandschaft und einer Fülle von Schulprogrammen bzw. Schulprofilen nebeneinander vermag der Staat allen Schülerpersönlichkeiten Rechnung zu tragen. Warum soll es also nicht Ski-, Schwimm-, Tennis- und Fußballgymnasien und Legasthenikerinternate geben, die auch zum Abitur führen?
Peter Struck: "Taugt die Schule des 20. Jahrhunderts noch für das 21. Jahrhundert?" Prof. Dr. Peter Struck ist
Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg. Im Carl Hanser Verlag, München, ist sein Buch „Vom Pauker zum Coach“ erschienen.
erschienen in Bildungsbroschüre der SPD in Brandenburg 2002


