Kurzinfo - Schulfreie Bildung

Ausgabe: 6

Liebe Freunde der Bildungsfreiheit und Interessierte,

mit den folgenden Nachrichten möchten wir uns noch einmal in diesem Jahr zurückmelden. Mit aller Zurückhaltung möchte ich an dieser Stelle auch auf die Möglichkeit hinweisen, evtl. überschüssige Finanzmittel noch in diesem Jahr an unseren Verein loszuwerden. Schulbildung in Familieninitiative e.V. ist gemeinnützig anerkannt und somit sind Spenden steuerabzugsfähig.
Hier der Vereinszweck und unsere Bankverbindung.

Ich wünsche Ihnen/Euch schöne Festtage, Besinnung und Frieden im Kreise der Familie und grüße herzlich,

Jan Edel

21.12.2007

 
 

Studien, Literatur, Termine

Hier eine kleine Korrektur/Ergänzung zur Info im Rundbrief #5 zu den Studien des Londoner Bildungsforschers Prof. Dr. Alan Thomas:

Die Studie, die dem Buch "Educating Children at Home" zugrunde liegt, wurde in den Jahren 1994 bis 1997 durchgeführt, das Buch erschien 1998 auf Englisch. Dieses Buch wurde übersetzt und ist soeben auf Deutsch unter dem Titel "Bildung zu Hause. Eine sinnvolle Alternative" erschienen (beruht aber noch auf der Studie von 1994-1997). Alan Thomas hat 2002 ein weiteres Buch (auf Englisch) gemeinsam mit Jane Lowe unter dem Titel "Educating your Child at Home" heraus gegeben. Ein drittes Buch hat er gemeinsam mit Harriet Pattison verfasst, es wird demnächst (auf Englisch) unter dem Titel "How Children learn at Home" erscheinen. Dieses Buch beruht auf weiteren, neueren Untersuchungen.

Danke, Matthias Kern, für die Detaillierungen.


In seinem "Privatisierungsreport-5" vom Oktober 2007 (Bezug über GEW-Shop, ISBN 978-3-939470-16-8) wird auf den Seiten 32-34 einiger Unsinn zum Thema Homeschooling verbreitet. Sowohl Herr Edel vom Verein Schulbildung in Familieninitiative als auch Dr. Munoz von den UN werden falsch und irreführend zitiert. Es besteht also immer noch erheblicher Aufklärungsbedarf über schulalternative Bildungsmöglichkeiten, selbst bei denen, die es gut wissen könnten.
Deshalb hier wenigstens noch einmal der genaue Wortlaut des UN-Sonderbeauftragten in seinem Bericht:
http://www.homeschooling.de/genf.htm (engl./deutsch)


Die Vereinnahmung der Bildung durch die deutsche Schulgesetzgebung und der in Deutschland entstandene, noch immer aufrechterhaltene Schulzwang führt im Ausland leider immer wieder zu Zeitungsartikeln, durch die unser Land pauschal verunglimpft und der Anschein der ideologischen Nähe zu den Nationalsozialisten erweckt wird.

"As WND has reported, such threats and actions are becoming more common in Germany, but that nation still makes homeschooling illegal under a law launched when Hitler expressed a desire to control the minds of youth." Quelle u. Artikel: WorldNetDaily vom 18.12.2007

Vor diesem Hintergrund wird es unerlässlich, die Wurzeln des staatlichen Schulzwangs lückenlos und im Detail aufzuklären und ggfs. Korrekturen für das deutsche Bildungssystem zu fordern. Hierzu liegen unserem Verein (SFeV) bereits einige Studien und Quellen vor, die den Sachverhalt allerdings sehr eindeutig für o.g. Herkunft ausfallen lassen -  bislang.
Eine eigene Studie/Zusammenfassung zur Handreichung an die Politik ist in Vorbereitung.


Seminar in Köln am Freitag, den 25. Januar 2008 um 19:30 Uhr
“Schools run by Families and dedicated to Families”

· Parents’ rights, duties and responsibilities in education
· Frame for interaction of parents and teachers and its driving values
· The role of Family Development in schools and lessons learned from the Poland
Der Sprecher, Josep María Barnils, ist der Vorstandsvorsitzende von “Action for Education” in Barcelona und internationaler Experte für fortschrittliche Bildungsprojekte und Schulmanagement.
(http://www.accioeducacio.org/english/index_Eng.htm) Ort: JOLLY HOTEL - MEDIA PARK - KÖLN
Im Media Park 8B
D-50670 Köln
Please confirm your participation until Monday, 21st of January 2008 to Augusto and Teresa Pellarini (apellarini @ web.de, phone 0160- 5362506)
The speech and discussion will be held in English. No translation into German will be available. A fee of 5 € is associated with this speech to contribute to cover the costs for the meeting room.
4. Kasseler Expertengespräch, 18. bis 20. Januar 2008
Zu dieser Tagung des BVNL ist jeder eingeladen, der sich im Bereich der Bildungsfreiheit in einer Gesetzesinitiative engagieren oder einfach nur informieren möchte.
Bei diesem Arbeitstreffen wird die Gesetzesinitiative ihren Entwurf zur Neugestaltung des Rechtes im Bildungswesen vorstellen (Art.7, GG).
Schwerpunkt wird sodann die Erarbeitung einer Strategie zu seiner Umsetzung sein.
Anliegen mit diesem Entwurf ist vorrangig, Aufklärung und Bewusstseinsbildung zu bewirken zum Thema "notwendiger Wandel des Bildungssystems". Es betrifft alle, die eigenverantwortliche Bildung wollen - egal ob staatlich, alternativ oder frei organisiert. Der Gesetzesentwurf soll helfen die Voraussetzungen für ein zukunftsfähiges, lebendige Lernprozesse förderndes Bildungswesen in Deutschland zu schaffen.
Bettina Osterhaus, Email: bettina-osterhaus @ onlinehome.de
Tagungsort: Cafe Freiraum, Friedrich-Ebert-Str.92 in 34119 Kassel
Beginn: Freitag, den 18.Januar 2008 um 18.00 Uhr
Ende: Sonntag, den 20. Januar um 12.00 Uhr
Weitere Informationen auf der Website des BVNL.
 
 

Einige interessante Links

Kinderrechte im Grundgesetz

"Spirale nach unten"
Ein sehr erhellender Artikel, seit 17.12.2007 auch unter FAZ.NET im Internet veröffentlicht mit der Möglichkeit zum Schreiben eines Kommentars

Die im Familiennetzwerk zustande gekommene Arbeitsgruppe zum Thema Kinderechte hat ganze Arbeit geleistet: www.kinderrechte-infos.de

weitere Artikel zum Thema:

Die Zeit am 18.12.: http://www.zeit.de/online/2006/42/Kinderrechte-Verfassung mit der Möglichkeit, einen Kommentar zu verfassen

Die Tagespost am 18.12.: http://www.die-tagespost.de/Archiv/titel_anzeige.asp?ID=36764

Tagesspiegel am 14.12.: http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/Grundgesetz-Staatsziele;art122,2438935 mit der Möglichkeit zur Kommentierung


Interview mit dem prominenten Schauspieler und Pop-Sänger Will Smith
Nach 6 Jahren Erfahrungen mit "Homeschooling" (mit seinen 3 Kindern und anderen Familien) möchte er nun mit den faszinierenden Konzepten eine neuartige Schule gründen und damit "die öffentliche Bildung revolutionieren".
Quelle: http://www.people.com/people/article/0,,20165775,00.html (Text, Foto, Film)

Zusammenfassung von Menschenrechtsverletzungen in Deutschland
Link: http://aitel.hist.no/~walterk/wkeim/files/de_menschenrechte.htm
 
 

Kanada: "Viele Grüße aus dem Paradies"

Liebe Stefanie, Du und Deine Familie, Ihr seid jetzt über ein Jahr in Kanada, um dem deutschen Schulpflichtterror zu entgehen. Wie sieht es aus?

Hier streiten sich die Geister, ob Alberta oder British Columbia besser sind, aber beide scheinen Homeschooling-Familien fast alle Freiheiten zu lassen, die man sich nur denken kann. Die oestlichen Provinzen sind wohl etwas strenger. Wir sind hier in British Columbia als Unschooler rundum gluecklich, selbst als "enrolled student". Wenn ich irgendwann keine Lust mehr habe, jede Woche 25 Stunden Lernaktivitaet zu protokollieren und einen kurzen Bericht zu schreiben, dann kann ich auch auf die $1.000,- pro Jahr verzichten und Julian nur "registrieren" - dann gibt's nur $100,- oder so, aber es gibt keinerlei Auflagen, Lehrplaene, Pruefungen, Einmischung oder Sonstiges. Komplette Ruhe fuers ganze Jahr, nur ein Formular im September ausfuellen.
Viele Gruesse aus dem Paradies, Stefanie

Hier der Link zum Nachlesen der ganzen Geschichte:
http://www.leben-ohne-schule.de/stefanie.mohsennia/kanada.html

Hier eine Internetseite der kanadischen Regierung zu den offiziellen Bildungsmöglichkeiten außerhalb von Präsensschulen:
http://www.bced.gov.bc.ca/dist_learning/dl_vs_homeschool.htm

Public School Distributed Learning
Tim Winkelmans
Distributed Learning Unit
Information Department
250 356-7039
Homeschooling & Independent
School Distributed Learning
Lynette Jones
Independent Schools
Office of the Inspector of Independent Schools
250 387-0963
In Kanada leben auch einige deutsche Familien, die durch ihre Erlebnisse in Deutschland bezüglich freier Bildung und damit verbundener Verfolgung schwerst traumatisiert wurden.
Politisches Asyl für Homeschooler aus Deutschland
Aus gut unterrichteten Kreisen haben wir die Information, dass in Kanada ein Verfahren für deutsche Homeschooler läuft, diese als politische Flüchtlinge in Kanada anzuerkennen. Eine große amerikanische Homeschool-Organisation hat die notwendigen Finanzmittel dafür locker gemacht, denn die Chancen für die offizielle Anerkennung stehen offensichtlich sehr gut (quasi durch).Wir werden weiter berichten.
 
 

PISA - Schlüsse

Aus dem Rundbrief der GEW vom 16.12.2007 zur PISA-Studie 2006:
"Die Ergebnisse der PISA-Studie 2006, die die OECD am 4. Dezember veröffentlicht hat, geben keinen Anlass, in Jubelarien auszubrechen.
Die bildungspolitisch Verantwortlichen sind gut beraten, die Resultate ohne Scheuklappen zur Kenntnis zu nehmen und endlich wirksame Konsequenzen zu ziehen. Die „Fortschritte", die Deutschland seit dem PISA-Schock 2001 gemacht hat, sind so kümmerlich, dass sie den Kultusministern eigentlich die Schamröte ins Gesicht treiben müssten. Denn hinter den nackten statistischen Daten verbergen sich viele Einzelschicksale junger Menschen. Sechs Jahre sind verstrichen, in denen die Bundesrepublik fast ein Viertel der Jugendlichen eines jeden Jahrgangs mit völlig unzureichenden Deutsch- und Mathematik-Kompetenzen in ihren Lebens- und Berufsweg entlassen hat,
kurz: den jungen Menschen ihre Zukunftschancen bereits mit dem Abgang von der Schule auf ein Minimum gestutzt hat - und bisher gibt es keine Aussicht auf schnelle Besserung: Die Gesellschaft wird auf absehbare Zeit noch weitere „Lost Generations" ins Leben schicken, wenn das Steuer jetzt nicht herumgerissen wird."

Die Lösung wird aber wohl kaum, wie die GEW ihn fordert, ein Schulstrukturwandel sein. Vielmehr muss das lähmende Monopol des Staates für die Organisation des gesamten Bildungswesens fallen. Für nachhaltige Bildung, Kreativität und individuelle Förderung müssen alle Türen frei werden: Motivierte, beziehungsfähige und reife Lehrkräfte, die von Schülern mitbestimmt werden können, Bildungsbegleitung und -beratung, mehr individuelle Angebote, Fernschulmöglichkeiten, Materialien, mit denen auch eigenständig gelernt werden kann, außerschulische Bildungsmöglichkeiten und -offerten und vieles mehr. Wie sagte es der Altbundespräsident und "Ruck"-Redner Roman Herzog vor bereits einem Jahrzehnt: "Entlassen wir unser Bildungssystem in die Freiheit".

Statistisch fast unerhebliche Verbesserungen hin oder her: Jemals nur im Mittelfeld der Leistungsvergleichsstudie zu landen hätte erwarten lassen, dass die (Eigen-)Mächtigen der Bildung wenigstens ihren penetranten Stolz auf ihr altehrwürdiges, aber zwangsbewehrtes Schulsystem fahren lassen. Stattdessen wären Demut und die Aufgabe aller Eitelkeiten angebracht gewesen.

 
 

Leserechos

Hallo,

wir unterrichten unseren mittlerweile dreizehnjährigen Sohn Mathias seit April 2006 daheim - nicht aus religiösen Gründen, sondern weil er eine sehr unausgewogene Begabungsverteilung hat und die Schule chronisch auf den Fähigkeiten aufbaut, die er nicht hat. Infolgedessen kämpfte er, trotz Gymnsialzulassung seitens der Grundschule, mehrfach bescheinigter Intelligenz im oberen Durchschnittsbereich und kinderpsychiatrisch attestierter Legasthenie, auf der lokalen Hauptschule um ein "ausreichend" in den sprachlichen Fächern, fand dort weder bei Kindern noch Lehrkräften Resonanz für seine Interessen und Begabungen und entwickelte eine "Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt", wie es das Gutachten des unterfränkischen Landesarztes für Kinder- und Jugendpsychitrie formulierte. Nachdem die Schule sich nicht in der Lage sah, Wesentliches an der dortigen Unterrichtssituation zu ändern, und wir daraufhin unseren Wunsch äußerten, die Unterrichtung unseres Sohnes in die eigenen Hände zu nehmen, entwickelten Schulleitung, die Schulpsychologin der Stadt Aschaffenburg und das örtliche Schulamt ein Beschulungskonzept, wonach Mathias Schüler der Schule bliebe und teils im Klassenverband, teils von mir, der Mutter, im vormittags leer stehenden Tagesstättenraum unterrichtet würde - informell wurde dabei auch angesprochen, inwiefern auch eventuell andere Kinder dabei profitieren könnten, sei es durch Leserechtschreibförderung, sei es durch elterliches Engagement im naturwissenschaftlich/technischen Bereich (Mutter Diplombiologin, Vater Dr. rer. nat. in Physik, arbeitet im Bereich Netzleittechnik in einem mittelständischen Unternehmen). Die praktische Umsetzung dieses Modells im Herbst 2006 hatte jedoch nur knapp zwei Wochen Bestand, dann wurde es seitens der übergeordneten Schulbehörde der Regierung Unterfranken gestoppt, wobei man sich trotz wiederholter Anfragen unsererseits kategorisch weigert, sich inhaltlich mit unserer Forderung nach einem Unterricht, der Mathias gerecht wird, zu befassen.

Die praktischen Auswirkungen unseres Unterrichts sind:

1.dass Mathias mittlerweile brauchbar liest: im Frühsommer 2006 fragmentierte eine knapp siebzigseitige Detektivgeschichte aus der "Detektiv Kwiatkowski"-Reihe von Jürgen Banscherus auf dem Niveau des zweiten Schuljahrs, groß gedruckt und reichlich bebildert, für ihn in eine Ansammlung mehr oder weniger verstandener Einzelepisoden, und die Auflösung des Falls entging ihm - mittlerweile hat er u.a. mehrere Romane von Walter Moers und den neueseten Artemis-Fowl-Band mit Verständnis gelesen 2. dass wir einen Zugang zur Rechtschreibung und den Fremdsprachen gefunden haben, auf dem sich weiter aufbauen lässt, der jedoch sehr von dem abweicht, was derzeit Usus ist - u.a. nutzen wir das Fingeralphabet der Taubstummen als Hilfe zum Erlernen der Orthographie 3. Dass Mathias Mathematik, Naturwissenschaften und Technik gemäß seinem Begabungsniveau verfolgen darf - derzeit macht er chemische Experimente mit seinem Vater, lernt, den Asuro-Roboter zu programmieren, wir arbeiten mit dem "Algebra 1"-Buch der Gymnasien und machen Exkurse in die Vektor-Rechnung. Seitens der Schule jedoch hat man ihn sitzen lassen, d.h. er müsste die Klasse 6 wiederholen, weil er in dem Schuljahr dort "keine Leistung gezeigt" habe - klar, er war ja auch keinen Tag dort. Das Jugendamt spielte "den guten Beamten und den bösen Beamten" - mit uns und Mathias reden tat der kleine Praktikant, dem die Drohung der Sorgerechtseinschränkung immer etwas peinlich zu sein schien, der Chef dagegen wies fortwährend auf die Rechtslage, und kaum war der Praktikant fort, bekamen wir die Ladung wegen Sorgerecht vor dem Familiengericht - die Verhandlung wird am 07.12. stattfinden. Im Ordnungwidrigkeitenverfahren beriefen wir uns auf §16 OwiG, mein Verfahren hängt, weil die Richterin kein Urteil sprach, sondern die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagte, das meines Mannes wird am 12.12. sein. Vor etwa vier Wochen bekamen wir einen "Entwurf zur Vollstreckung des Schulzwangs", in dem eine Reihe von Falschdarstellungen zur Sache standen, man sich auf Gesetze und Urteile berief, die u.E. auf uns nicht zutreffen (ob unser ordnungswidriges Verhalten rechtswidrig ist, ist nicht geklärt, solange kein Gericht hier geurteilt hat; und die höchstrichterlichen Urteile zur Schulpflicht beziehen sich auf völlig anders gelagerte Fälle) und man darauf hinwies, dass es hier keine Möglichkeit des Einspruchs gäbe, wir aber Klage gegen die Stadt erheben könnten, dies jedoch keine aufschiebende Wirkung habe - bis zum Ende der Woche hätten wir Zeit für eine Stellungnahme. Wir sandten der Behörde eine entsprechende Kommentierung mit Richtigstellung der Sachlage und juristischer Erörterung zu und bekamen heute morgen den Bescheid dennoch unverändert zugestellt. Im Klartext: Bei uns können Familien finanziell ruiniert (derzeit sind bei uns 2000 Euro Zwangsgeld angesetzt, dies kann sich jedoch, siehe den Fall "Neubronner" in Bremen, schnell in die Höhe schrauben), gegebenenfalls Menschen inhaftiert und Kinder polizeilich der Schule zugeführt werden, ohne dass sich vorab ein Gericht damit befasst. Im Hinblick auf die Sorgerechtsverhandlung werden wir Mathias also nächste Woche vorausslichtlich tatsächlich in die Schule schicken, damit wir wenigstens keine Schwierigkeiten seitens des Jugendamts/Familiengerichts bekommen,wenn wir ausreisen wollen - siehe das BGH-Urteil vom 16.11. Wir würden wirklich gerne hier bleiben, weil wir uns hier eigentlich wohl fühlen - aber wir werden nicht zulassen, dass unser Kind die Schule als funktionaler Analphabet verlässt. (Siehe die Versetzungsbestimmungen an den bayerischen Hauptschulen!!!: versetzt wird man, wenn die Durchschnittszensur "ausreichend" ist und man nicht mehr als drei "mangelhaft" hat, dabei sind alle Fächer mit Ausnahme des Fachs Sport Vorrückfächer. Versetzt werden und einen Hauptschulabschluss bekommen kann man also auch mit einer 6 in Englisch und einer 5 in Deutsch - mit attestierter Legasthenie kann Mathias da tatsächlich kaum durchfallen, solange er psychisch durchhält und sich mitschleifen lässt, indem er lieb und nett ist; O-Ton der Förderlehrerin: Basisfähigkeiten auf der Hauptschule seien nicht, lesen, schreiben und englisch zu lernen, sondern überhaupt zu erscheinen, pünktlich zu sein und die Sachen dabei zu haben. Ob ein so ausgebildetes Kind dann ausbildungsfähig ist, ist dann seine Sache.)

Die Ordnungswidrigkeitsverhandlung war dann am 10.12. - Wie war es gelaufen?

Sorgerecht: Die Richterin schränkte unser Sorgerecht nicht ein. Da ich ihr jedoch gesagt hatte, dass seitens Professor Warnke auch ein Internat, bei dem auf legasthene Kinder Rücksicht genommen wird, o.k. gewesen wäre, verpflichtete sie uns quasi, da nachzufragen. Außerdem schloss sie sich der Meinung des ASD an, dass wir starrsinnig an der Meinung festhielten, nur unsere Beschulung sei o.k. bzw. dass wir hier Forderungen stellten. Dass diese Forderung lediglich war, dass nach den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen die voraussichtlichen Ergebnisse der vorgeschlagenen Maßnahmen nicht wesentlich schlechter sind als unsere - was uns im Hinblick auf das Erlernen des Lesens, Schreibens und Englisch und der Förderung der mathematischen Fähigkeiten nicht unerheblich zu sein scheint, hatte dann keinen Raum mehr, weil das Verfahren eh schon um eine Dreiviertelstunde überzogen war.

Werners Bußgeldverhandlung: Das war die reine Farce. Werner kam kaum zu Wort, weil der Richter nonstop redete. Er zeigte einen Stapel Urteile zur Schulpflicht, die alle abschlägig beschieden worden wären und meinte, da wäre es zwar um andere Dinge gegangen, er nähme uns ab, dass es uns nur um das Kindeswohl ginge, aber unrechtmäßig sei es trotzdem - wieso, begründete er nicht weiter außer damit, der Staat hätte ein Bildungsmonopol, wer was anderes wolle, müsse was anderes wählen (????); es ginge ihm auch gegen den Strich, Eltern zu verurteilen, bei denen er sähe, dass sie ehrlich das Beste für ihr Kind wollten. Er fragte Werner, ob Mathias Schulphobie gezeigt hätte, und Werner klärte ihn darüber auf, dass Mathias gemäß Gutachten schulängstlich und depressiv gewesen sei wegen der ständigen Mißerfolgserlebnisse aufgrund der Leserechtschreibstörung; dass aber "Schulphobie" ein Terminus technicus aus der Psychoanalyse sei, der beinhalte, dass das Kind nicht zur Schule wolle, weil es Trennungsängste hinsichtlich der Eltern hätte, und das sei bei uns nicht der Fall. Der Richter zeigte sich über alles, was in der Sorgerechtsverhandlung besprochen worden war, bestens informiert und sagte, man hätte sich zusammengesetzt, um zu erörtern, was zu tun sei, und man wolle ja auch kein psychologisches Gutachten, dass das Kind psychisch nicht beschulungsfähig sei, weil man dem Kind die Prozedur und uns die Kosten von einigen Tausend Euro nicht zumuten wolle. Er ermahnte uns, nicht "Michael Kohlhaas" zu spielen (siehe die entsprechende Novelle von Heinrich Kleist) und uns mit dem Staat anzulegen (!!!!) - ziemlich interessanter Hinweis vor dem Hintergrund, dass wir eindeutige Belege dafür lieferten, dass der Staat an manchen Kindern nachweislich vorbeiunterrichtet und es billigend in Kauf nimmt, dass diese dann eben nicht adäquat lesen lernen. Aber schlechte Schulen seien kein berechtigter Grund, das Kind nicht zur Schule zu schicken (Unseres Erachtens falsch: die allgemeine Feststellung der Schulqualität nicht. Aber der Nachweis, dass das eigene Kind geschädigt wurde und wird, doch wohl, oder?) Er verwies auf das Urteil vom 16.11.{BGH-Beschluss, wir berichteten} und dass das Jugendamt sicher noch mal bei uns vorbeischauen würde. Wir sollten tatsächlich nach der Lösung "Internat" schauen, die Kinder würden in der Pubertät gegen ihre Eltern opponieren und sich lösen, und Mathias benötige den Kontakt mit anderen Kindern, die Auseinandersetzungen und all die Erfahrungen. Er würde die Verhandlung bis März aussetzen und dann würde man "die Kuh vom Eis holen" - was er damit meinte, blieb unklar, wir vermuten, er meint damit, wenn Mathias dann lieb und brav in irgendeine Schule geht, will man das Verfahren einstellen. Das will ICH für meinen Teil jedoch definitiv nicht - es ist mir 250 Euro wert, zu erfahren, ob es bei uns strafbar ist, seinem Kind lesen, schreiben und englisch beizubringen und seine Begabungen angemessen zu fördern.

Wir müssen noch über dem Ganzen schlafen. Derzeit scheint es uns, man habe uns eine Schonfrist gegeben, uns rechtzeitig ins Ausland abzusetzen - da Werner dies aus beruflich-finanziellen Gründen nicht können wird (mit fast fünfzig kriegt man nicht so einfach woanders eine Stelle) und die Prognose für Mathias bei seinen Defiziten und Stärken hier meines Erachtens beliebig schlecht ist, auch auf einem Internat, heißt das bloß, man macht unsere Familie kaputt.

Liebe Grüße Irene
ischrieder @ arcor.de 


Lieber Jan,
...
 Ich schreibe um mein Leben und das meiner Kinder. Statt von Zigaretten lebe ich von Nikoläusen und Marzipankartoffeln und leide unter scheußlichen Albträumen. Die Kinder sind aufgemischt und belastet. Ich wundere mich immer wieder, wie mutig sie sich der Situation stellen. Normal kann ich das alles nicht finden. Obwohl mein Mann inhaltlich hinter mir steht, ist auch er am Ende seiner Kraft.
Gestern war ich zu Besuch bei Vollblutchristen.
Die zwölfjährige Tochter monierte sich über die Tatsache, dass sie in einem Sachkundetest wissen musste, wie ein Mann sein Glied säubert. Die christlichen Eltern fanden das ganz in Ordnung, schließlich könne die Tochter mal kleine Jungs gebären, denen sie dieses Wissen dann weiter geben könnte. Ich hätte es vorgezogen, die Lehrerin zu schlachten. Was haben Zwölfjährige mit Männerschwänzen zu schaffen?
Obwohl wir soziale Kontakte unserer Kinder fördern, habe ich zwischen "Der Mond ist aufgegangen." und "Die Blümelein sie schlafen." keine Lust zu erörtern, dass Barbie und Ken im Spiel zweier Kindergartenkinder gefickt und gepoppt hätten. Bin ich deshalb etwa fundamental oder spießig? Vor allem bin ich sauer. Richtig sauer.
Gegen den "involvierten Personenkreis", vor allem die Verbreiter des Münchhausen-Gerüchts, das vom Jugendamt gegen uns benutzt wurde, ohne dass wir Stellung beziehen konnten, habe ich vor einigen Tagen Strafantrag gestellt. Hat der Staatsanwalt auch mal was zu lachen.
Gestern war in der Zeitung die Forderung nach individueller Förderung und verbesserter Zusammenarbeit mit Eltern die Rede. Ich bin es so leid, ständig die Interessen der Kinder gegen den massiven Widerstand der Behörden zu vertreten. Die Kinder kommen bei dieser Schreiberei zu kurz, weil ich ja doch an der einen oder anderen Formulierung überlegen muss.
Seufz.

 

 

Weihnachten 2007

Säugling in Stall gefunden - Polizei und Jugendamt ermitteln
Schreiner aus Nazareth und unmündige Mutter vorläufig festgenommen

BETHLEHEM, JUDÄA -
In den frühen Morgenstunden wurden die Behörden von einem besorgten Bürger alarmiert. Er hatte eine junge Familie entdeckt, die in einem Stall haust.
Bei Ankunft fanden die Beamten des Sozialdienstes, die durch Polizeibeamte unterstützt wurden, einen Säugling, der von seiner erst 17-jährigen Mutter, einer gewissen Maria H. aus Nazareth, in Stoffstreifen gewickelt in eine Futterkrippe gelegt worden war.
Bei der Festnahme von Mutter und Kind versuchte ein Mann, der später als Joseph H., ebenfalls aus Nazareth identifiziert wurde, die Sozialarbeiter abzuhalten.
Joseph, unterstützt von anwesenden Hirten, sowie drei unidentifizierten Ausländern, wollte die Mitnahme des Kindes unterbinden, wurde aber von der Polizei daran gehindert.
Festgenommen wurden auch die drei Ausländer, die sich als "weise Männer" eines östlichen Landes bezeichneten. Sowohl das Innenministerium als auch der Zoll sind auf der Suche nach Hinweisen über die Herkunft dieser drei Männer, die sich anscheinend illegal im Land aufhalten. Ein Sprecher der Polizei teilte mit, dass sie keinerlei Identifikation bei sich trugen, aber in Besitz von Gold, sowie von einigen möglicherweise verbotenen Substanzen waren. Sie widersetzten sich der Festnahme und behaupteten, Gott habe ihnen angetragen, sofort nach Hause zu gehen und jeden Kontakt mit offiziellen Stellen zu vermeiden. Die mitgeführten Chemikalien wurden zur weiteren Untersuchung in das Kriminallabor geschickt.
Der Aufenthaltsort des Säuglings wird bis auf weiteres nicht bekannt gegeben. Eine schnelle Klärung des ganzen Falls scheint sehr zweifelhaft.
Auf Rückfragen teilte eine Mitarbeiterin des Sozialamts mit: "Der Vater ist Anfang zwanzig und die Mutter ist noch nicht ganz volljährig. Wir prüfen gerade mit den Behörden in Nazareth, in welcher Beziehung die beiden zueinander stehen."
Maria ist im Kreiskrankenhaus in Bethlehem zur medizinischen und psychiatrischen Untersuchungen. Sie kann mit einer Anklage rechnen. Weil sie behauptet, sie wäre noch Jungfrau und der Säugling stamme von Gott, wird ihr geistiger Zustand näher unter die Lupe genommen.
In einer offiziellen Mitteilung des Leiters der Psychiatrie steht: "Mir steht nicht zu, den Leuten zu sagen, was sie glauben sollen, aber wenn dieser Glaube dazu führt, dass - wie in diesem Fall - ein Neugeborenes gefährdet wird, muss man diese Leute als gefährlich einstufen. Die Tatsache, dass Drogen, die vermutlich von den anwesenden Ausländern verteilt wurden, vor Ort waren, trägt nicht dazu bei, Vertrauen zu erwecken. Ich bin mir jedoch sicher, dass alle Beteiligten mit der nötigen Behandlung in ein paar Jahren wieder normale Mitglieder unserer Gesellschaft werden können."
Zu guter Letzt erreicht uns noch diese Info: Die anwesenden Hirten behaupteten übereinstimmend, dass ihnen ein großer Mann in einem weißen Nachthemd mit Flügeln (!) auf dem Rücken befohlen hätte, den Stall aufzusuchen und das Neugeborene zu seinem Geburtstag hoch leben zu lassen.
Dazu meinte ein Sprecher der Drogenfahndung: "Das ist so ziemlich die dümmste Ausrede vollgekiffter Junkies, die ich je gehört habe."
Na denn....

 
 

Hinweis zu diesen Kurzinformationen

Alle diese Rundmails sind jetzt auch im Internet verfügbar und können somit jederzeit nachgelesen werden:

http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news4.htm
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news5.htm
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news6.htm (diese Ausgabe von oben)
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news7.htm (nächste Ausgabe)
und so weiter.

Die Nummer im Link ist die jeweilige Ausgabe dieser Informationen.

 
 
Impressum

Verantwortlich für den Informationsbrief ist: Schulbildung in Familieninitiative e.V.
z.H. Dipl.-Ing. Jan Edel (Vorstand)
Horringhausen 23
58513 Lüdenscheid

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