Kurzinfo - Schulfreie Bildung

Ausgabe: 4

Liebe Freunde der Bildungsfreiheit und Interessierte,

zum Wochenende und zu Beginn einer (hoffentlich) besinnlichen Adventszeit wünscht Ihnen und Euch wieder viele Grüße und alles Gute

Ihr und Euer Jan Edel

01.12.2007

 
 

Wachsende internationale Solidarität

Die internationale Empörung über die Kriminalisierung des schulfreien Lernens in Deutschland wächst. Gestern am 30. November fand vor der Deutschen Schule in Pretoria (Südafrika) eine Protestkundgebung statt. In Südafrika war Homeschooling zu Zeiten des Apartheid-Regimes verboten und wurde 1996 von der neuen Regierung unter Nelson Mandela erlaubt. Die genaue Anzahl frei lernender Kinder in Südafrika ist nicht bekannt, da hier keine Kontrolle stattfindet, man schätzt ca. 100.000.

Auf der Homepage http://www.bremen-memorial.org/  wird unter Hinweis auf den Bremer Fall der Familie Neubronner zu Protesten aufgerufen. Die Südafrikanischen Homeschooler empören sich besonders darüber, dass deutsche Kinder in Südafrika in eigenen deutschen Schulen und Kindergärten "parallel" zur afrikanischen Gesellschaft gebildet werden und ihnen das Homeschooling vom Auswärtigen Amt empfohlen wird, deutsche oder südafrikanische Familien in Deutschland hingegen mit Hinweis auf die Gefahr von "Parallelgesellschaften" zum Schulbesuch gezwungen werden sollen.

 
 

Neuer Artikel (unveröffentlicht)

Prämiert in Kanada – hier Sorgerechtsentzug
Von Jan Edel

Homeschooling. Das kennen Sie, werden Sie sagen.

„Kindern das Gemeinschaftserlebnis Schule vorzuenthalten, sie abzuschotten von der Welt und nur mit den eigenen Ideen zu infiltrieren, ist falsch. Kinder haben ein Recht auf Schule, auf Klassenfahrten und auf  Gemeinschaftserlebnisse.“ Solche Sätze sind richtig, verfehlen aber das Thema.

Dieser Eindruck musste entstehen, als die Medien anfingen, über einige spezielle Fälle der Schul- und Unterrichtsverweigerung oder religiösen Eifer in Deutschland zu berichten. Nach vielen Jahren eingehender Beschäftigung mit den Lernbedingungen der verschiedenen Arten der nicht an Institutionen gebundenen Bildung habe ich einen wesentlich differenzierteren Blick gewonnen.

In diesem Artikel sollen einige geistige Barrieren beleuchtet werden, die die Legalisierung von Homeschooling in Deutschland behindern.

Zunächst allein dieser Anglizismus, der vielen ein Dorn im Auge ist.

Viele Versuche wurden unternommen, den weltweit eingebürgerten Begriff „Homeschooling“ in die Sprache eines Landes zu übersetzen, in dem Schulpflicht als Schulzwang herrscht.
Eine adäquate Übertragung des internationalen Begriffs "Homeschooling" ist vielleicht „Selbststudium im Schulalter“. Mit Homeschooling wird ausgedrückt, dass Lernende im Schulalter, ob mit oder ohne Unterricht, teilweise oder völlig ohne Schulinstitutionen auskommen. Weniger liegt der Fokus auf "Home", was im Deutschen mehr mit "Zuhause" oder schlimmer mit "Heim" übersetzt wird, statt im Kontext betrachtet mit der Bedeutung von "Selbst-" oder "Auto-" gesehen werden sollte. Auch der Wortteil "schooling" sollte nicht 1:1 in das Deutsche übertragen werden, schon gar nicht mit "Schule". Schule wird traditionell in Deutschland immer als Institution verstanden und ist damit genau das, was Homeschooling nicht meint. "schooling" ist denn auch mehr Ausdruck des Sich-Bildens. Kurzum: Solange es im Deutschen keinen prägnanten Begriff gibt, der alle Formen der institutionsfreien Bildung im Schulalter abdeckt, ist der international bekannteste Begriff "homeschooling" als Oberbegriff am griffigsten.

Warum neue Bildungsansätze? Es gibt doch Schulen.

Das Phänomen des Homeschooling hat viele Wurzeln. Dass es – wie übrigens auch in Schulen – Erwachsene gibt, die ganz bestimmte Entwicklungen ablehnen oder gefördert sehen wollen, soll nicht verleugnet werden. Sicherlich reflektieren manche, gern einseitig ausfallende Berichte über Eltern, die einzelne Unterrichtsinhalte wie z.B. Evolutionslehre oder Schwimmen ablehnen, einen Teil der nicht zu leugnenden Wahrheit über die Hinwendung zu einer Form des Homeschooling in Deutschland. Wesentlich plausiblere Motive für Homeschooling gibt es en masse. Waren es in Flächenländern wie USA, Kanada oder Australien die räumlich schwer erreichbaren Institutionen, wird es z.B. mittlerweile auch in Deutschland immer schwieriger, eine finanziell und räumlich gut zu erreichende Schule des Vertrauens zu finden. Zunehmende Sparzwänge, konsequente Schulzusammenlegungen, die als Gemeinschaftsschulen getarnt und angepriesen werden, oder auch dramatisch schwindende Bevölkerungszahlen wie in Thüringen oder Mecklenburg-Vorpommern führen zwangläufig zu anonymen Lehranstalten, die keiner Kindheit mehr würdig sind.
Es wurden und werden auch immer mehr Sonderfälle bekannt, wo Kinder und Jugendliche mit dem vorhandenen Schulangebot einfach nicht zurechtkommen. Denken Sie z.B. an Mobbing oder Kinder mit Hochbegabung, ADHS, Schulangst, starke Mobilität der Eltern, Einschränkungen wie Dyskalkulie oder starke Legastenie. Fast täglich erreichen mich Emails von solchen Kindern oder deren Eltern. Viele dieser Briefe ließen mich erschaudern und es ist zum Verzweifeln, dass es bisher keinerlei Lösung oder Alternative für diese Familien in unserem Land gibt.
Als starke Wurzel des Homeschooling möchte ich aber den dem Menschen näheren Bildungsansatz herausgreifen, über den sich Eltern weltweit zunehmend Gedanken machen.
Bei allem Getrommel der Schulbürokratie und Bildungslobby für professionelle, verbesserte Lehrmethoden, Schulformen und Strukturen wird oft die Subjektstellung unserer Kinder missachtet. Bildung wird traditionell vermittelt und nicht aktiv erworben. Kinder werden (passiv) gebildet und „beschult“ statt dass sie sich bilden. Vor lauter Testungen, Erhebungen, Beurteilungen und Prüfungen bleibt dem heranwachsenden Wesen immer weniger Zeit zur individuellen Entfaltung und zu ganz praktischen Lebenserfahrungen.

Zum Erhalt hoher Motivation bedarf es Vertrauen. Menschliche Nähe und starke Beziehungen sind der Schlüssel zu sinnstiftendem und erfolgreichem Lernen. Positive emotionale Bindungen  zu erwachsenen Bezugspersonen können in Schulen immer weniger geboten werden. Aber beim Homeschooling sind es Initiativen oder einzelne Eltern, die die notwendige Zeit ihren Kindern persönlich zu geben bereit sind. Kinder behalten ihr Interesse, ihre Lernfreude und die natürliche Neugier. Viele Kinder und Jugendliche könnten in ihrer Reifung sehr profitieren, wenn sie Möglichkeiten der nicht (immer) an Institutionen gekoppelten Bildung mit ihnen nahestehenden Erwachsenen hätten. Selbst in Formen des Homeschooling, in denen kein bißchen Unterricht gegeben wird (keine Angst, gelernt wird manchmal umso mehr) verbergen sich laut internationalen Studienergebnissen Chancen für sehr gute Bildung, womit hier allgemein psychosoziale, charakterliche wie auch akademische Fähigkeiten gemeint sind.

Die prekäre Lage des öffentlichen Schulsystems, in der sich übrigens auch die relativ wenigen Privatschulen befinden, ist, Kindern nicht ausreichend Spielraum und natürliche Lebenswelt bieten zu können. Es ist einfach eine völlig andere Art zu Lernen und sich zu entfalten, wenn man nicht für Lehrer und Klassenarbeiten am nächsten Tag lernt, sondern für sich und sein Leben (motivierende, individuelle und anregende Bezugspersonen vorausgesetzt).

Nun zu den Inhalten. Was Bildung einmal war, wissen wir. Was aber bedeutet Bildung heute? „Ehrfurcht vor Gott zu wecken“, wie es die Gründungsmütter und -väter noch in die Präambel der nordrhein-westfälischen Verfassung schrieben, ist als „das höchste Erziehungsziel“ längst passé. Wer also bestimmt, was gute Erziehung und Bildung ist? Wer definiert, was sie zu sein hat? Immer weniger Bedeutung kommt der reinen Wissensvermittlung zu. Soziale Verantwortung und je nach regierungsamtlichem Gusto ökologisches Bewusstsein und politisches Interesse sind wichtig. Jedenfalls wertfrei und „objektiv“ soll Bildung, ergo Schule sein. Eine andere Quelle für Bildung kann und darf es aus Gründen der Gerechtigkeit für gleiche Startbedingungen nicht geben. Diese soll kostenfrei sein – ist sie längst nicht mehr. Schulgeld und Nachhilfe verschlingen bare Mittel – von Fahrtkosten ganz zu schweigen. Und Spaß soll Schule machen – im kritischen Alter zusammengerechnet sogar 40 Sunden die Woche lang. Eltern wie Staat hätten gerne sozial verantwortliche, mündige neue Bürger, die fähig werden, selbstbestimmt ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten. Kinder werden selten gefragt – wollen all das aber in der Regel ganz von allein, wenn Mama oder Papa es vormachen können.

Im Anhang befindet sich der zweite und dritte Teil dieses Artikels. Wer hilft, ein Magazin oder ähnliches zu finden, der diesen Artikel auflagenstark drucken möchte?

 
 

Homeschooling-Familien für Filmbeiträge gesucht

Ein unabhängiges Filmteam sucht für eine Reportage über häuslichen Unterricht für den Sender RTL eine Homeschooling-Familie, die bereit wäre, sich an der Reportage zu beteiligen.

"Im Auftrag von RTL möchten wir im Mittagsmagazin „Punkt 12 XL“ in einer achtminütigen Reportage über andere Schulformen berichten."

Interessierte Familien wenden sich bitte an:

Dorothea Prestin
media akzent tv-produktion GmbH
Luisenstraße 41
10117 Berlin

Fon: 0049 - (0) 30 - 30 88 13 38
Fax: 0049 - (0) 30 - 30 88 13 33
E-Mail: prestin@mediaakzent-tv.de


Eine Fernsehjournalistin ist für die Produktionsfirma WestCom Storyline mit Sitz in Dortmund tätig. Sie produzieren Beiträge für die Sendungen "Brisant" (ARD) und "Hallo Deutschland" (ZDF).

Bei ihrer Recherche zum Thema "Homeschooling" ist sie auf unsere Homepage gestossen und sie sucht ebenfalls einen Kontakt zu einer Familie.

Lea Conradt
westCom Storyline
Hermannstr. 75
44 263 Dortmund
Tel.: 0231-XXXXX
Lea.Conradt@XXX


Die Sendung "Dellings Woche", die letzte Woche im WDR-Fernsehen startete, möchte gerne über Homeschooling bzw. "Leben ohne Schule" berichten. Dazu suchen sie Kontakt zu einer Familie aus Nordrhein-Westfalen, die ihre Kinder zu Hause unterrichtet. Bitte nehmen Sie Kontakt auf.

WDR Dellings Woche
Christina Herßebroick
tel.: 0221/XXXXXXXX
Christina.Herssebroick@WDR.DE


Alexandra Schliebener ist eine TV-Autorin und arbeitet gerade für die Fernsehproduktionsfirma "Blue Eyes".

Mitte September plante sie eine Reportage über verschiedene Erziehungs-Ansätze in Deutschland. Sie möchte zeigen, "dass Eltern ganz verschiedene Glaubenssätze, Maßstäbe und Prägungen in der Erziehung an ihre Kinder weitergeben. Und natürlich wie das im Alltag aussieht." Wichtig ist ihr, "keine Wertung abzugeben über die vielfältigen Auslegungen von Erziehung" und sie will es dem Zuschauer überlassen, welcher Ansatz für ihn sympathisch ist und welcher ihm eher fremd. "Schön wäre es, wenn dadurch mehr Offenheit entstünde und Aufmerksamkeit für dieses Thema."

 

Drei verschiedene Formen von "Familie" soll(t)en dargestellt werden.

 

Zum Ersten ist eine Familie geplant, in der sehr autoritär erzogen wird. Diese Familie besteht aus mehreren Kindern, beide Eltern sind berufstätig. Hier wird mit Verboten und klaren Regeln gearbeitet, die Entscheidungen werden ausschließlich von den Eltern getroffen. Dabei sollen die Kinder von den Erfahrungen der Eltern profitieren, Richtlinien sollen befolgt werden und zwar ohne jegliche Diskussion.

Wichtig ist mir bei dieser Form der Erziehung aufzuzeigen, woher kommen die Glaubenssätze der Eltern, Vorteile und Nachteile der Familie im Miteinander, sowie auch die eigene Geschichte der Eltern.

 

Weiterhin soll das Zusammenleben einer Familie in der Gemeinschaft/ Kommune aufgezeigt werden. Ausführlich über ihre Arbeitsbereiche, die Gruppe und das Miteinander erzählt werden, sowie auch Ihre Methoden und Erfahrungen in der Erziehung. Darüber berichten, wie Kinder ohne bestimmte Macht- und Abhängigkeitsstrukturen aufwachsen und eine Alternative zum gängigen Konsumverhalten kennen lernen. Warum sich Eltern und Kinder für diese Form des Zusammenlebens entschieden haben.

 

Als dritte Variante über eine Familie, die nicht nur die Erziehung ihrer Kinder selbst in die Hand nimmt, sondern auch ihre Bildung. Das heißt, über Kinder die von ihren Eltern Hausunterricht bekommen und keine der staatlichen Schulen besuchen.

Wie empfinden Kinder und Eltern diese Situation? Warum bevorzugen sie diese Variante und aus welchen Gründen ist diese Form der Bildung in Deutschland immer noch so schwer durchzusetzen, obwohl sie in anderen Ländern längst zur Normalität gehört.

 

Das sind Fragen, die im Zuge dieser Reportage geklärt und aufgezeigt werden sollen.

Dazu werden Eltern und Kinder gesucht, die bereit wären sich im Rahmen dieser Reportage einen Tag von einem Kamerateam begleiten zu lassen. Natürlich würde mit den Beteiligten vor dem Dreh noch abgesprochen, was erzählt werden darf und soll und wo der intime Bereich liegt, aus dem man die Öffentlichkeit ausschließt.


Sie können Alexandra Schliebener unter der Telefonnummer: 0171 -XXXXXX erreichen.

E-Mail: AlexandraSchliebener@XXXXXX

 
 

BGH-Beschlüsse (Fortsetzung)

Für die, die es noch nicht wissen: Die Konten bei Familie Neubronner wurden heimlich, still und leise wieder freigegeben. Wie es weitergeht, ist unklar. Sorgerechtsentzug soll aber laut Richterin ohne Anhörung der Eltern nicht in Betracht kommen.

In vielen anderen, weniger prominenten Fällen bewußter Schulabsenz wurden Kinder bereits dem Jugendamt zugeordnet oder es wird bewußt mit dem Sorgerechtsentzug gedroht und Verhandlungen beim Familiengericht stehen an. Wie schon vermutet, werden die BGH-Beschüsse (s. Kurzinfo #3) auch gegen nicht religiös motivierte Eltern bemüht.

 
 

Erste Eingeständnisse staatlicher Instanzen zu Schulversagen

Die Senatsverwaltung für Jugend Bildung und Sport eine Empfehlung zur Gewaltprävention veröffentlicht,
in der es hauptsächlich um Schuldistanz geht.

http://www.sensjs.berlin.de/../empfehlungen_AG.pdf

"An der Arbeitsgruppe nehmen Vertreter/innen der Geschäftsstelle der Landeskommission Berlin gegen Gewalt (Federführung), der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport, des Landesjugendamtes, der Bezirke, des Schulpsychologischen Dienstes, der Senatsverwal-ung für Inneres, der Berliner Polizei, der Ausländerbeauftragten des Senats von Berlin sowie Schulleiter teil."

Die Herausgeber, allesamt also vom Vater Staat bezahlte Persönlichkeiten, haben festgestellt, dass Gründe in verschiedenen Bereichen zu suchen sind, u. a. auch in der Schule:

Probleme in der Struktur schulischen Lernens:

- Leistungsdruck, Versagensängste, erfolgloses Lernen, schlechte Zensuren, Klassenwie-derholungen, Herunterstufung in eine geringwertige Schulform, falsche Schulform, nicht bewältigte Übergänge,
- keine Aussicht auf guten Schulabschluss, auf eine Lehrstelle, auf gute Berufsausbildung,
- Anpassungsforderungen
- Unterricht ist aufgrund sich wiederholender Abläufe langweilig,
- schulische Bildungsinhalte werden als bedeutungslos bzw. sinnlos empfunden,
- schulisches und außerschulisches Leben und Lernen sind getrennt,
- Lernen hat zu wenig mit den Interessen, den Lebenslagen der Sch. zu tun,
- schulisches Lernen hat zu wenig gegenwärtigen Gebrauchswert
 

Besonders interessant der folgenden Absatz zur Schulpflicht:

Folgende Formulierung sollte ins Schulgesetz aufgenommen werden:
„Befreiung von der Schulpflicht soll bei entsprechender Empfehlung durch die zuständige Helferkonferenz (Schule/Jugend) ausgesprochen werden, wenn die Erfüllung der Schulpflicht nicht für sinnvoll gehalten wird."
Die gegenwärtigen Bestimmungen zur Schulpflicht sind zu starr. Sie erschweren und verzögern pädagogisch sinnvolle, außerschulische Maßnahmen wie eine Teilnahme von schuldistanzierten Jugendlichen an einer Therapie oder Berufsvorbereitung.

 
 

Leserechos

In dieser Rubrik möchte ich regelmäßig ein oder mehrere Leserreaktionen wiedergeben 


Lieber Herr Edel,

aus staatspolitischer Raison ist eine allgemeine Schullpflicht, vertreten durch die Protagonisten und Rechtfertiger der Staatsmacht zur Steuerung des Denkens der Jugend (NS-Zeit, "Lufthoheit über die Kinderbetten", Krippenverpflichtung in der DDR) bestens verständlich, doch als höchstes Gut liberaler Freiheiten sollten wir die Freiheit in den Köpfen unserer Kinder verteidigen. Der deutsche Hang zur Gleichmacherei und die Angst vor Experimenten und freienm Konkurrenzkampf hat Deutschland bereits mehrfach mit Hurra an den Rand des Unterganges gebracht. Richter waren zu allen Zeiten Büttel der Macht, ihnen steht nur das recht des Volkes auf Widerstand entgegen, den in unserer Zeit, in der Machterhalt nicht mehr durch Proserität und Sozialleistungen erkauft werden kann, paßt diese Entscheidung in die in allen Lebensbereichen spürbare Ausweitung der Repression, Bespitzelung und vorsorglichen Datenspeicherung, des Ausbaues der Überwachung zur Beherrschung und Lenkung des Volkes, und insbesondere der Kinderköpfe. Die allgemeine Schulpflicht ist damit in höchstem Maße undemokratisch und gegen die bürgerliche Freiheit. In einer Zeit immer individuellerer und oftmals gebrochener Lebensläufe ist die allgemeine Schulpflicht kontraproduktiv, da sie die Kinder nicht im besten Sinne fördert und so die der Gesamtgesellschaft zur Verfügung stehenden Leistungsreserven mobilisiert, sondern bei jedem Ortswechsel bereits hohe Hürden aufrichtet. In einer Welt, in der Flexibilität und Mobilität im Rahmen der globalen Vernetzung an Bedeutung noch weiter gewinnen werden, ist sie damit auch wirtschaftlich hemmend, da sie nicht dazuführt, Kinder auf dieses Leben maximal und individuell nach ihrem Können und Vermögen vorzubereiten. Die rechtspolitisch erforderliche Vergleichbarkeit der Abschlüsse und Schlüsselqualifikationen ließe sich in bundeseinheitlichen und bundesweiten Prüfungen ausreichend bemessen und sichern.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Achim Walter


Sehr geehrte Damen und Herren!

Obwohl ich immer wieder auf unsere Schwierigkeiten bei der Beschulung unserer Kinder hinwies, wurde unsere Familie lediglich mit Trennung und Ordnungsgeld bedroht und durch die Schule denunziert.
Wenn man mir als Mutter zutraut, unter diesen Umständen eine gute Erziehungsarbeit zu leisten und die Kinder zu ermutigen und zu trösten, dann erwarte ich auch unverzüglich die Erlaubnis, sie eigenverantwortlich mit Hilfe einer Fernschule (Clonlara, ILS Hamburg, SGD Darmstadt, Philadelphia Siegen oder Webschule Bochum) zu unterrichten.
Die Beschulungssituation hier {..} mit täglich dreistündigen Schulwegen, einer Grundschule, deren Rektor mit der Kindsmutter nicht mehr spricht, und einer Regionalschule, die um ihre Reputation fürchtet, ist desolat.
Eine Schule in Trägerschaft der evangelischen Kirche entfernte zwei Hochbegabte aus einer Klasse binnen eines Schuljahres, begleitet vom Jugendamt, das diese äußerst üblen Vorgänge als „Schnee von gestern“ bezeichnet. Leider übersieht das Jugendamt, wie viele Familien von der Haltung dieser Schule betroffen sind. Die Kinder treffen sich in Koblenz und Königswinter wieder, jedenfalls die Kinder der betuchteren Familien.
Parallelgesellschaft?
Die Denunziation einer Neuwieder Schule wurde vom Jugendamt hartnäckig als Druckmittel gegen unsere Familie genutzt. {..} Eine Gelegenheit zur Stellungnahme erhielten wir nicht.
Auf Grund unserer langjährigen Erfahrungen mit nachbarschaftlicher Nachhilfe (Kannste mal, weißte mal, haste mal …) kenne ich die Schulnot vieler Kinder aus erster Hand, ebenso wie die Prägung vieler Erwachsener (Und dann habe ich nach der Schule jahrelang kein Buch mehr angefasst …)
Ich weiß sehr genau um das selbstverständliche nachmittägliche Homeschooling in vielen Familien. Mama ist zuständig für Englisch, Deutsch und Lebenshilfe, Papa für Mathe, Chemie, Physik.
Manche betuchten Familien (Parallelgesellschaft) können auch auf professionelle Hilfe zurückgreifen. Die Werbung der Schülerhilfe prangt sogar an der Eingangstür des Neuwieder Gymnasiums: „Fit in der Schule, selbstbewusst durchs Leben.“ Schön wäre es …
Ich sehe mich kaum in der Lage, ohne erhebliche Abstriche an unserer Lebensqualität vier Kinder durch das deutsche Schulsystem zu zerren. Vor allem das Vertrauen in die pädagogische und fachliche Kompetenz von Lehrern ist völlig verschwunden. Der Vertrauensvorschuss, den wir Schule gegenüber erbracht haben, ist vollständig aufgebraucht.
Damit stehe ich nicht alleine da. Das Lehrerhasserbuch mit Folgebänden spricht ebenso eine klare Sprache wie die Pisastudien und andere Forschungen zum Thema Schule. Andererseits gibt es eine Fülle von wissenschaftlichen Berichten, die über das Homeschooling am Vormittag sehr Gutes berichten. Warum werden diese Berichte mit großer Hartnäckigkeit ignoriert und arrogant (Bericht des UNO Beauftragten) abgewiesen?
Ein wirklicher hoher IA-Faktor (Ignoranz und Arroganz), den sich eine demokratische und an Nachhaltigkeit interessierte, angeblich demokratische Gesellschaft auf Dauer nicht leisten kann.
In der Bildungslandschaft einer Demokratie mit Schloss Salem und Nenas Schule für glückliche Kinder gehört die Möglichkeit zum Homeschooling einfach dazu.
Die deutsche Geschichte fordert in besonderer Weise zu einem wachsamen Blick auf bestehende Gesetze auf.
Gesetze sind Menschenwerk.
Die natürlichen Bindungen innerhalb einer Familie unterliegen den Gesetzen der Natur
(Gordon Neufeld: Unsere Kinder brauchen uns) und dürfen nicht mutwillig durch das Jugendamt und die Ordnungsbehörden durch Bedrohungen finanzieller und familiärer Art immer wieder eingeschränkt oder sogar vernichtet erden.
Die Qualität des Schulsystems wird durch die tagesaktuelle Stellungnahme eines vierzehnjährigen Gymnasiasten gut dokumentiert:
„Ich würde alles tun. Ich würde Blätter im Wald mampfen und ich würde mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen. Ich würde so gerne alles hinschmeißen.“
Schule schmeckt gut, Millionen Fliegen können nicht irren?
Viele sehen das anders.
Geben Sie den Familien, die gewillt sind, die Mühen das Hausunterrichtes auf sich zu nehmen, und die ihren Kindern einen klaren Kopf und ein freudiges Herz bewahren wollen, die Chance, in Deutschland zu bleiben.
Wollen Sie wirklich warten, bis die erste Familie medientauglich zusammenbricht, bis Menschen keinen Ausweg mehr sehen?
Dieses Hin- und Hergerissen werden zwischen den eigenen üblen Erfahrungen mit diesem Schulsystem, den Freunden vor Ort und der Notwendigkeit, das Land unter dem Druck von Zwangsmaßnahmen verlassen zu müssen, um die Familie zusammenzuhalten, ist menschenunwürdig und verletzt massiv den Grundsatz des Schutzes der Familie.
Gerne bin ich bereit, meine eigenen Erfahrungen weiterzugeben.
Keinesfalls werde ich zulassen, dass meine Familie an den Rand eines finanziellen und seelischen Abgrundes gedrängt wird und wir als Kollateralschaden unseres Bildungssystems landen.
Die Verfolgung von Homeschoolern, die nur die Spitze eines Eisberges von unzufriedenen, frustrierten und beschämten Kindern und Eltern bilden, ist unwürdig mitten in einem angeblich demokratischen Land.
Die wiedererwachte Kontrollsucht und das Machtstreben müssen durch eine Erlaubnis zum Homeschoolen gemildert werden. Nachmittags und abends nehmen die Eltern bereits selbst oder durch Nachhilfeinstitute erheblichen Einfluss auf die Lernfortschritte ihrer Kinder.
Eltern und Jugendlichen muss die Gelegenheit gegeben werden, auch mit abweichendem Begabungsprofil zukunftsträchtig lernen und leben zu dürfen.
Bitte unterstützen Sie uns und andere Hausunterrichtsbedürftige und -willige {..}
Die Zustellung der Nachricht über eine Geldbuße von 3ooo Euro zuzüglich Verfahrenskosten hat uns heute nicht wirklich weitergeholfen. Eine Geldbuße ist sicher nicht die richtige Antwort auf unsere schwierige Beschulungssituation.


Guten Tag,
wir wissen keinen Rat mehr, möchten Ihnen einfach von unserer Situation Kenntnis geben. Ob vor Ort noch eine Einigung erfolgt, kann ich noch nicht abschätzen. Wir haben mit einem medizinischen Problem zu tun, das belastet zusätzlich. Für Ihre bisherigen Informationen bedanken wir uns. {..} Unser Sohn hat heute Geburtstag und kann jetzt selbst mit einer Geldbuße belangt werden. Einfach unglaublich. Wer so etwas nicht selbst erlebt, glaubt es nicht...
Viele Grüße

 
 

Hinweis zu diesen Kurzinformationen

Alle diese Rundmails sind im Internet verfügbar und können somit jederzeit nachgelesen werden:

http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news2.htm
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news3.htm
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news4.htm (diese Ausgabe von oben)
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news5.htm (nächste Ausgabe)
und so weiter.

Die Nummer im Link ist die jeweilige Ausgabe dieser Informationen.

 
 
Impressum

Verantwortlich für den Informationsbrief ist: Schulbildung in Familieninitiative e.V.
z.H. Dipl.-Ing. Jan Edel (Vorstand)
Horringhausen 23
58513 Lüdenscheid

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