Kurzinfo: Schulfreie Bildung

Ausgabe: #22

Liebe Leser, hoch verehrte Eltern und Interessierte,

hier sind wieder relevante Berichte, Infos und Links der letzen Woche.

Angesichts des brandneuen Gesetzes zur "Erleichterung" familiengerichtlicher Maßnahmen zum Wohl des Kindes (gegen Eltern) erhält dieser Rundbrief leider eine mir unliebsame Prägung. Dieses Gesetz stellt sich mir als ein konsequenter Baustein in von langer Hand geplanter gesellschaftlicher Umbildung dar. Der nächste Schritt wird dann sein, verschiedene Ganztagsprogramme verpflichtend zu etablieren. Natürlich alles für das Volk (und seine Fraktionen)!
Schön wäre es, wenn sich die Möglichkeiten des neuen Gesetzes doch irgendwie auch positiv nutzen ließen. Den Spieß einfach umdrehen:
Wenn Sie ein Kind in der Kita, im Kindergarten oder vor allem in der Schule leiden sehen, Anzeige erstatten und damit ein Gerichtsverfahren erzwingen. Dann nur noch per pädagogischem "Gutachten" nahelegen, dass das betreffende Kind zu Hause besser gefördert wird und Voila! - schon kann das Jugendamt ungestörtes Homeschooling sicherstellen. Der Knackpunkt wird eigentlich nur die beabsichtigte Zusammenarbeit von Schule, Schulamt, Jugendamt, Polizei und Familiengericht sein.

Beste Grüße,
Jan Edel

25.04.2008

 
 

Ermächtigungsgesetz?!

Der Wolf im Schafspelz
Nun ist es so weit: Unsere Volksvertreter im Deutschen Bundestag haben es einstimmig so gewollt. Das neue Ermächtigungsgesetz (s. unten unter Titel Familie.) ist am Nachmittag des 24.04.2008 als "Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen" durchgewunken worden.
Auf diese Katastrophe im Schafspelz habe ich ja vor Wochen schon eingehend und immer wieder hingewiesen, auch z.B. unter http://www.homeschooling.de/news/news9.htm oder http://bildungsfreiheit.org/?id=4609 (Gesetzerprobung: Beschleunigte staatliche Eingriffe gegen Nichtschüler).
Ich wette, dass die wenigen Nichtideologen unter den MdBs nicht wirklich gewußt haben, was sie da eigentlich widerspruchslos tun. Neben hunderten, vielleicht sogar tausenden Briefen, Mails und Faxen in allerletzter Stunde, die Mitglieder des Familiennetzwerks und auch des Netzwerks Bildungsfreiheit an Bundestagsabgeordnete versandt haben, hat auch Schulbildung in Familieninitiative e.V. am Vorabend ein personalisiertes Fax zur Warnung an hunderte Abgeordnete geschickt. Natürlich viel zu spät, denn erstens lassen sich die Trickklauseln im umfangreichen Gesetzentwurf nicht ohne weiteres finden und zweitens würde eine Kontraposition in letzter Sekunde wohl nicht ohne Gesichtsverlust eines Abgeordneten abgehen, wenn man eigentlich Monate Zeit zur Intervention gehabt hätte.

Hier also noch das o.g. Fax von Schulbildung in Familieninitiative e.V.:

Sehr geehrte ... ,
 
wenn Sie morgen im Bundestag über das Gesetz zur "Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen" (TOP9) beraten und abstimmen, sollten Sie sich bitte nicht vom "Schafspelz" der berechtigten Sorge um das Kindeswohl verleiten lassen, mit der die Gesetzesänderung einleitend begründet wird (Drucksache 16/6815, URL: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/068/1606815.pdf).

Hinter seiner Tarnung soll das Gesetz letztlich die staatliche Gemeinschaft über die Erziehungshoheit von Eltern stellen. Dazu wird den Eltern schlicht die Deutungshoheit des Kindeswohls entzogen und auch der relativen Objektivität eines unabhängigen medizinischen Gutachtens.

Nur ein Zitat als Beispiel:
"Der Entwurf regelt darüber hinaus die Qualifikationsanforderungen für Sachverständige neu, die im Verfahren zur geschlossenen Unterbringung eines Minderjährigen vom Gericht mit der Erstattung eines Gutachtens beauftragt werden. Der Entwurf greift insoweit den Gesetzesantrag des Freistaates Bayern vom 3. Mai 2006 (Bundesratsdrucksache 296/06) auf. Der ärztliche Sachverständige soll in der Regel Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie oder -psychotherapie sein oder ausnahmsweise ein in Fragen der Heimerziehung ausgewiesener Psychotherapeut, Psychologe, Pädagoge oder Sozialpädagoge." (Seite 12f in o.g. Drs.)

Mit dieser massiven Aufweichung für Deutungskompetenz ist u.U. allein der Dame vom Jugendamt, üblicherweise sozialpädagogisch vorgebildet, die Macht gegeben, willkürlich elterliches Sorgerecht zu entziehen. Im Extremfall dürfte nach diesem neuen Gesetz auch ein Kind ohne die Einschätzung und den Willen der Eltern in den Kindergarten gezwungen werden, wenn beispielsweise ein Nachbar diesen Wunsch anzeigt und dazu einen Pädagogen für ein entsprechendes Gutachten findet.
Nach § 70e Abs. 1 Satz 2 FGG soll dieser unabhängige Sachverständige Arzt der Psychiatrie sein, was zudem auch die Art der Kindeswohlgefährdung klar umreißt. Nach dem neuen Gesetz soll eine Kindeswohlgefährung aber vor allem schon eine nicht optimale Förderung sein.

In Zukunft ist kein "elterliches Versagen" mehr erforderlich, damit der Staat aktiv in die Erziehung eingreifen kann. Es reicht, wenn ein Jugendamtmitarbeiter findet, dass das Kind (bereits im ersten Lebensjahr!) in einer öffentlichen Einrichtung "besser gefördert" werden kann. Damit bekommt der Staat die Deutungshoheit darüber, wie Eltern Kinder erziehen und fördern sollen. Die Eltern (also das Volk als Souverän) sind nicht mehr eigenverantwortlich, während Vertreter des Staates darauf schauen, dass sie ihre Rechte und Pflichten wahrnehmen. Sondern der Staat legt vom Zeitpunkt der Geburt an fest, in welcher Weise sie das tun und wie das Kind optimal zu fördern ist. Dies ist eine Umkehr des gesamten Rechts- und Staatsverständnisses, und es öffnet immer massiveren und detaillierteren staatlichen Eingriffen in das Familienleben Tor und Tür.

Natürlich wird dies in der Öffentlichkeit so dargestellt, als ginge es nur um ein paar versagende Eltern aus asozialem Milieu und als sei diese Änderung notwendig, um Kinderleben zu retten. Dafür würde aber, wie oben angedeutet, eine Umsetzung der vorhandenen Gesetze vollkommen ausreichen.

Das neue Gesetz ginge unseres Erachtens erheblich zu weit. Vielmehr ist gesetzlich bereits heute weit mehr möglich, als umgesetzt wird. Den Beweis verrät der neue Entwurf sogar selbst: "In der Praxis wird die Vielfalt der möglichen Eingriffsmaßnahmen kaum genutzt." (2. Satz unter 2b i.o.g. Drucksache)
Wir möchten Sie eindringlich auffordern, gegen diese Gesetzesänderung zu den §§1666ff BGB  zu stimmen und sich nicht an Familien und am Grundgesetz der BRD schuldig zu machen.
Sollte das Gesetz durchkommen, schließen Sie sich bitte den sicher folgenden Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht wegen Verletzungen von Grundgesetz, Grundrecht und Menschenrechten an.

 
 

Interessante Links

Kindergärten, Schulen, Unis
Was gute Bildung kostet
Quelle: Wirtschaftswoche am 22.04.2008 Toller Artikel mit vielen Kommentaren


Flucht aus Deutschland - Alles wegen der Schulpflicht
Reportage auf Seite 4
The German Link (Deutschsprachige Zeitung für London und GB) im April
Leitartikel
Eltern als Schulverweigerer - Chancengleichheit
Quelle: WAZ Presseportal am 22.04.2008 (mit Emailadresse für Feedback)
Frage und Antwort an Dr. Rainer Stinner (MdB) zu Homeschooling
Hallo Herr Stinner, in Deutschland liegt die Bildung der Kinder komplett in Staates Hand (das gilt auch für Privatschulen und deren Curricula, dort teilweise sogar verschärft).
Ich finde das sehr bedenklich, dass die Politik auch die Schulen betreibt und sozusagen ihre späteren Wähler selber ausbildet. ...
Quelle: hier im Abgeordnetenwatch.de 
Bürokratieabbau
Schulen ohne Lehrer
Schulen ohne Lehrer? Was in den Weiten Australiens oder der finnischen Tundra schon üblich ist, könnte bald auch in den dünn besiedelten Regionen Brandenburgs Einzug halten: das Lernen per Videokonferenz, „distance learning“. Jetzt hat das Amt Schlieben (Elbe-Elster) um Erlaubnis für diese ungewöhnliche Form der Wissensvermittlung beim Bildungsministerium angefragt.  ...
Quelle: Märkische Allgemeine am 17.04.2008
Privatschulen
Das Geschäft mit der Bildung
Wer es sich leisten kann, schickt sein Kind auf private Grundschulen und Gymnasien. Erfüllt sich die Hoffnung, dass sie besser sind als die staatlichen?
Quelle: Focus Schule am 20.04.2008

 
 

Literatur

Reichmann, Ulrich: Rezension von "Ladenthin, Volker; Fischer, Ralph (Hg.): Homeschooling – Tradition und Perspektive. Würzburg 2006." In: engagement. Zeitschrift für Erziehung und Schule (2008). Heft 1. S.73-76. (ISSN 0723-3507)


The Underground History of American Education
John Taylor Gatto  

A Schoolteacher's Intimate Investigation Into The Problem Of Modern Schooling
COMPLETE AND UNEXPURGATED!
When have you seen notices like these for AN EDUCATION BOOK?

"A work of breathtaking scholarship and encyclopedic scope." - Adam Robinson, Co-founder, The Princeton Review,
author, What Smart Students Should Know
"Gatto's voice is strong and unique. I loved this book!" - Thomas Moore, Care of the Soul
"Gatto is a singular antidote to stale convention." - David Guterson, Snow Falling On Cedars
"I give this book a standing ovation!" - Christiane Northrup, Women's Bodies, Women's Wisdom
"Brilliant Work!" - Laissez Faire Books
"Your Ideas Are Splendid!" - Christopher Lasch
Quelle (John Taylor Gatto wurde mehrere Male zum Lehrer des Jahres gewählt)

 
 

Familien und Kinderq

Leitartikel: Gesetz zum Kinderschutz morgen im Bundestag
Entmachtung der Eltern
Quelle: Die Welt am 23.04.2008 


Vater Staat entmachtet die Eltern
Der Bundestag trifft heute eine fatale Entscheidung: Mit der Stärkung des Kindeswohls werden die Rechte von Müttern und Vätern ausgehebelt
Quelle: DT vom 24.04.2008
Das Jugendamt ist überall
Brauchen Kinder wirklich eigene Rechte? Natürlich brauchen sie sie. Denn im Gegensatz zu Erwachsenen sind sie nicht in der Lage, selbstständig über ihr Schicksal zu entscheiden.
Quelle: Tagesspiegel am 23.04.2008 (Mit tollen Kommentaren)
Seelische Verwahrlosung – die hilflose Eltern-Generation
Eltern heute: Hilflosigkeit im Umgang mit den Kindern – Fehlende Werte und Egomanie statt Nachhaltigkeit (Eine Analyse, die den Nagel auf den Kopf trifft)
Quelle: Epoch Times:: Online am 21.04.2008
Wichtiges Interview zur Hintergrundanalyse
Zypries will Kinder besser vor Misshandlung schützen
Quelle: Die Welt am 19.04.2008 (mit vielen guten Kommentaren) 
In "Cicero": "Der Staat greift nach der Familie"
Der Wirtschaftsphilosoph und Hochschullehrer Gerd Habermann sieht in Deutschland eine "Familienverstaatlichung" und Auflösung der Institution Ehe. In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe des Politmagazins "Cicero" (Berlin) geht Habermann mit der Familienpolitik der Bundesregierung scharf ins Gericht. ...
Quelle: Bericht über Cicero Interview in Pro-Medienmagazin am 18.04.2008
Wir ernten, was wir säen
Kinder haben weder eine Lobby, noch ein Sprachrohr, weil das meiste, was über Kinder erzählt wird, von sogenannten Erwachsenen stammt. Wir werden von allen Seiten darüber informiert, wie gut die Krippenbetreung für Kleinkinder sei und wie vorteilhaft sich der Aufenthalt auf deren Entwicklung auswirke. Es ist unbestreitbar, dass die Kind-Mutter-Beziehung innerhalb der ersten drei Lebensjahre evident ist und sich entscheidend auf die emotionelle Reife des neuen Lebens auswirkt. Es ist aber das Ziel des Systems, die Kinder möglichst schnell von ihren Müttern zu trennen, um eben diese psychische Stabilität zu verhindern. Nur so lassen sich verwaltbare und leicht manipulierbare Menschen heranziehen. ...
Quelle: http://www.land-apo.de/index1.htm

 

Schul(system)versagen
Schüler versagen nur, wenn die Schule versagt

LEHRERIN VOR GERICHT
"Frau B. hat mich gehauen, und alle haben es gesehen!"
Spiegel am 24.04.2008
Studie: Österreichs Jugend leidet unter Druck in der Schule
Fast 50 Prozent der Befragten macht die Schule gegenwärtig überhaupt keinen Spaß
Quelle: Der Standard.at am 23.04.2008
Wissenschaft, Forschung, Bildung
Vernachlässigen Schulen behinderte Kinder?
(openPR) - In letzter Zeit entnehmen wir den Medien, das Kinder vermehrt von ihren Eltern vernachlässigt werden. In den nun folgenden Fall werfe ich dies den Reinickendorfern Schulen und der Senbwf vor. Sicherlich fragt man sich, wie es zu solch einer Anschuldigung kommen konnte! ...
Quelle: Pressemitteilung der Selbsthilfegruppe 3mal21=Down-Syndrom am 18.04.2008
Eltern am Rand des Nervenzusammenbruchs
Elternschaft wird subjektiv als "zunehmend schwieriger zu bewältigende Gestaltungsaufgabe mit hohen Erwartungen" erlebt . In vielen Milieus führe dies zu "massiver Verunsicherung der Eltern". Die Elternschaft werde als so komplex und anspruchsvoll wahrgenommen, dass man dem eigenen Empfinden nach diesen hohen Ansprüchen kaum genügen könne. Die Erziehungsqualität betrachten viele der modernen Eltern "voller Selbstzweifel, verunsichert und empfinden sie als mit großen Defiziten". Dazu kommt das Gefühl vieler Eltern, dass Kinder in vielen Bereichen unseres täglichen Lebens nicht wirklich willkommen sind. ...
Quelle: Telepolis am 23.04.2008
 

Leserechos

1. Ich habe ein neunjähriges Kind und einen Laden, mit welchem ich unseren Lebensunterhalt bestreite. In diesem Laden verkaufe ich selbst designte Kleidung, die ich in Asien anfertigen lasse, weshalb ich mich beruflich zwei Monate im Ausland aufhalten muß. Trotz Ablehnung meines Antrages auf Freistellung des Kindes vom Unterricht in diesen zwei Monaten seitens des Schulamtes, habe ich Ida immer mit nach Asien genommen und dort selbst unterrichtet. Das Schulamt empfahl mir die Einweisung in ein Kinderheim in dieser Zeit, was ich natürlich nicht wollte. Nun sind bereits zwei Ordnungsstrafverfahren gegen mich anhängig und ich fühle mich extremen Existenzzwängen ausgeliefert. Einst lebte ich von Sozialhilfe und habe mir die Geschäftsidee vor fünf Jahren nur ausgedacht, damit ich meinen Kindern ein angemessenes Aufwachsen ermöglichen kann. Innerhalb von zwei Jahren entwickelte ich ein eigenes Markenzeichen für meine Kleidung und ich möchte diese Existenz auf keinen Fall wieder aufgeben und mich bei Hartz 4 anmelden. Deshalb frage ich Euch alle: Habt Ihr Kenntnis von ähnlichen Fällen? In denen die Eltern (in meinem Fall eine alleinerziehende Mutter) beruflich zweitweise im Ausland arbeiten muß und die Freistellung des Kindes vom Unterricht nicht genehmigt wird? Begründet wird die Ablehnung übrigens damit, daß Eltern Ihre Berufstätigkeit an der Schulpflicht der Kinder ausrichten müssen. Für Eure Hilfe bzw. Hinweise bin ich Euch schon im Voraus sehr dankbar. Angela Hoffmann aus Weimar/Thüringen


2. sehr geehrte damen und herren,
mein name ist ute kurz. ich bin 17 jahre alt und gehe auf ein fachgymnasium in rostock. also mein anliegen, warum ich hier ins gästebuch schreibe, ist, dass ich für den deutschunterricht ein vortrag halten muss. mein thema ist: homeschooling in deutschland. und zu dem thema  habe ich eine frage, die noch geklärt werden muss. z.b. wenn die eltern die kinder zu hause unterrichten, sind die eltern denn nicht berufstätig? wie verdienen sie denn ihr geld? wie kriegen sie das denn alles unter einem hut? und noch etwas: wird homeschooling finanziert? ich glaube nicht oder ?so, dass wäre denn meine frage gewesen, es wäre sehr nett wenn mir irgenteiner von ihnen antworten könnte. (ausführlich, wenns geht), damit ich meine unterlagen vervollständigen kann und somit einen guten vortrag halten werde. danke schön im vooraus! mit freundlichen grüßen ute!!!!!!!

Liebe Ute, weltweit wird Homeschooling nicht immer staatlich gefördert, aber nur in Deutschland werden Homeschooling-Modelle aktiv verhindert.
Deshalb gibt es hier leider nicht die Möglichkeiten für Eltern, die ihre Kinder beim Homeschooling unterstützen wollen, z.B. durch Elterninitiativen, Kooperationen mit anderen Familien oder mit Institutionen.
Trotzdem können Kinder ab einem gewissen Alter völlig selbstständig lernen. Sie besuchen die Volkshochschule, Büchereien, Museen, haben Nachhilfe und reisen viel. Sehr oft nutzen sie Fernschulprogramme. Kleinere Kinder brauchen Lernbeziehungen. Wenn kein Elternteil Zeit hat, kommen andere Verwandte (Geschwister, Opa, Oma, Tante, Onkel usw.), Freunde oder die Eltern anderer Homeschooler in Betracht.
Man wechselt sich einfach ab. In Dänemark z.B. dürfen sich Eltern zusammen tun. Sie gründen eine Minischule, bekommen vom Staat Mittel, Materialien oder ein Schulgebäude zur Verfügung gestellt. Unter Homeschooling versteht man alle Bildungsmodelle ohne Vollzeitschulbesuch. Fernschulen, Initiativen mit privat eingestellten Lehrkräften, Autodidaktik, Lerngruppen gehören dazu wie auch Unschooling. das ist ein Modell, bei dem jede Art der Beschulung bewußt abgelehnt wird, weil man davon ausgeht, dass ein Kind intrinsisch motiviert am besten lernt. Wenn es möchte, verlangt es nach Unterricht. In anderen Ländern kann es dazu auch ein einzelnen Veranstaltungen der Schule teilnehmen.
Bei anderen Modellen meldet man sich bei einer "Stammschule" an. Man lernt zu hause oder da, wo man will und die Schule gibt einem Feedback in Form von Prüfungen. In Kanada zum Beispiel bekommt man, wenn man sich registrieren läßt 1000,- kanadische Dollar. Die Schule bekommt ebenfalls Geld. In Russland bekommen Homeschooler m.W. Lernmaterialien gestellt.
Sie sehen, es gäbe viele Möglichkeiten. Man muss sich nur in anderen Ländern umhören und umsehen.
Es gäbe noch viele weitere Beispiele für die wirtschaftliche und effiziente Umsetzung der verschiedenen Homeschooling.Modelle.
An dieser Stelle möchte ich auf mein Buch "Schulfreie Bildung" hinweisen.
Freundliche Grüße und viel Erfolg,  Jan Edel


3. Hallo Jan! Ich habe jetzt für Freitag einen Termin beim Direktor.
Nun hat mich noch ein Verwandter davon abzuhalten versucht, das durchzuziehen.
Dabei hat er Sachen angesprochen, worüber ich mir bis jetzt noch gar keine Gedanken gemacht habe.
Was ist wenn das Jugendamt meinen Eltern das Sorgerecht entzieht, da diese ja nicht mehr über mich kontrollieren können (da ich ja einfach so nicht mehr in die Schule gehe.) ???
Was ist wenn sie mich mit der Polizei abholen? (Ich glaube nicht das ich mich da mit dem Grundgesetzt rausreden kann, das könnte ja dann auch ein Verbrecher tun. Und ich gelte dann genauso als Verbrecher, da ich eine Ordnungswidrigkeit begangen habe.)
Was soll ich auf die Frage des Direktor antworten: „Es gibt eine Schulpflicht! Deswegen kommst du morgen wieder in die Schule!“ Soll ich sagen das es Ausnahmeklauseln gibt??? Und die Ärzte werden mir auch nicht so einen Attest ausstellen, das haben wir ja im Fall Tilmann gesehen.
Ich denke mir, dass das Jugendamt mir Druck machen wird.
Nach diesem Gespräch jetzt mit meinem Verwandten bin ich mir nicht mehr so sicher.
Und der hat das angesprochen, ohne sich darüber vorher zu informieren. Da weiß ich nicht, was der Direktor mir noch alles sagt, denn der hat ja Ahnung. Ich bräuchte einfach mal was, wo draufsteht, was die alles einem vorwerfen können und wie man sich dagegen wehrt. LG V. (14 Jahre)

Hallo Vinzenz, nun sprich erst mal mit dem Direktor und mache ihm Deinen Leidensdruck plausibel. Dafür kann Dir keiner den Kopf abreißen. Und das Jugendamt wird auch nicht gleich und ohne Gespräche mit Dir das Sorgerecht für Dich beantragen. Wie gesagt, das müsste zunächst bei ca. 500.000 anderen Schülern passieren, damit es in Deinem Fall gerechtfertigt wäre.
Du begehst durch Schuleschwänzen keine Straftat, auch keine Ordnungswidrigkeit. Das tun bestenfalls Deine Eltern, wenn sie dich nicht an einer anerkannten Schule anmelden oder dich nicht hinschicken. Straftat ist das für Eltern m.W. nur im Saarland und in Hessen, aber in Hessen gibt es ja auch noch die Todesstrafe (die aber nicht zur Anwendung kommt, weil das höhere Grundgesetz es verbietet).
Mit der Polizei wirst Du höchstens ein oder zwei mal zu Schule gefahren, dann spätestens werden sie sich ziemlich doof und missbraucht vorkommen (übrigens genau wie viele Richter, die mit speziellen Situationen wie bei dir konfrontiert werden).
Auf die mögliche Frage des Direktors nach der Schulpflicht kannst Du sagen, dass Du keineswegs gegen gute Bildung bist, was ja der ursprüngliche Grund der Schulpflicht war und hoffentlich noch ist und dass das Gesetz nicht für das Gesetz, sondern für Dich und Deine Rechte gemacht wurde. Vernunft und Verstand in der Situation muss mehr sein als das Wort, das nur zu regeln versucht. Zur Not muss man eben Gebrauch von den eingebauten Ausnahmeregeln machen.
Einen gewissen Druck, auch vom Jugendamt, wenn es schlicht Paragrafentreu sein will, wirst Du aushalten müssen, das wird Deinen festen Entschluss und Deinen Leidensdruck beweisen.
Eine fertige Liste oder ein Patentrezept gibt es leider nicht. In 4 Jahren wirst du zurückblicken und gewahr werden, dass Du Dich als einer der Pioniere für Dein Land betrachten darfst.
Trotzdem darfst Du Hilfe in Anspruch nehmen. Versuch einen Verwandten, einen Freund oder einen Rechtsanwalt von Deiner Sache zu überzeugen und nimm ihn stets mit zu Gesprächen.
Wenn Deine möglichen Widersacher anfangen zu behaupten, Dein Vorhaben könnte bildungstechnisch scheitern, steht also kein Rechtsgrund mehr im Wege. Und dass es dann klappt, davon dürfen sich die Skeptiker später gerne überzeugen, in, sagen wir, vernünftigen, von Clonlara auszuhandelnden Abständen.
Kopf hoch, Schultern runter und atmen! Jan

 

Hinweis zu diesen Kurzinformationen

Alle diese Rundmails sind im Internet verfügbar und können somit jederzeit nachgelesen werden:
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news21.htm 
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news22.htm (diese Ausgabe)
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news23.htm (nächste Ausgabe)
und so weiter. Die Nummer im Link ist die jeweilige Ausgabe dieser Informationen.
 
 
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