Kurzinfo: Schulfreie Bildung

Ausgabe: #21

Liebe Leser, hoch verehrte Eltern und Interessierte,

hier sind wieder Berichte, Infos und Links der letzen Woche, diesmal im Zeichen der Problematik qualitativer Veränderung im deutschen Bildungswesen. Mir scheint das Bildungswesen im Schulwesen und in ideologisch geprägten Debatten über die beste pauschale Struktur gefangen. Eine Schulstruktur für alle kann nicht für jeden individuelle Bildung bieten.

Beste Grüße,
Jan Edel

18.04.2008

 
 

Zwingt Kinder nicht für gute Bildung in schlechte Schulen!

Jan Edel zu seinem Engagement für Homeschooling-Modelle

Herr Edel, Sie haben viele Jahre Erfahrungen mit Homeschooling und anderen außerschulischen Bildungsmodellen gesammelt. Sie haben einen Verein gegründet. Sie haben Bücher zum Thema geschrieben und viele weitere Texte publiziert. Sie betreiben einen Rundbrief und eine umfangreiche Homepage im Internet. Das alles ehrenamtlich neben Ihrer eigenen großen Familie und Ihrem Beruf als Ingenieur.
Warum das Ganze? Ist es das wirklich wert?
Ja, unbedingt! Denn der Anteil Schüler, die schulbedingt Nachteile erfahren oder sogar Schaden nehmen, ist nicht unerheblich und wächst rasant. Diese Schüler brauchen andere Bildungsmodelle, bessere Passung, intrinsische Motivation, Eigenverantwortung.
Da werden Kinder unerträglich und kaum wiederherstellbar gemobbt, manche haben einfach ganz andere Lernvoraussetzungen, viele begabte Kinder langweilen sich. Nur wenige Schüler merken, wie sie schlicht Marionetten der Lehrplaner, bzw. nur das Schmieröl in der Maschinerie einer Bildungsindustrie sind. Eigentlich kann kein einziges Kind individuell angesprochen werden.
Daneben geht es aber auch um's Prinzip der Freiheit, der Möglichkeiten und Chancen sowie um einen gesunden Gegenpol zum Mainstream. Letztlich ist es meine Bürgerpflicht, auf Missstände, Mängel, Unrecht, aber auch auf erprobte Lösungen hinzuweisen.

Warum überhaupt Engagement für Bildungsmodelle außerhalb des Schulwesens? Es gibt doch genug Schulen und Ihre Kinder gehen doch auch zur Schule.
Naja, die Tatsache, dass die meisten Familien mit dem Schulsystem offensichtlich zurecht kommen oder Alternativen nicht zugelassen werden, sollte nicht heißen, dass dieses System das einzig wahre Bildungsmodell ist. Schulen werden, besonders gründlich in Deutschland, staatlich reguliert und eigentlich politisch beherrscht. Eine Schule mit speziellen, für den einen passenden Konzepten ist für die meisten anderen Schüler am Ort vielleicht eine Katastrophe. Und ganz grundsätzliche Konzepte, die eine individuelle Betrachtung der Schüler im Grunde verhindern, gelten leider für jede Schule. Ich nenne nur Stundenplan, Frontalunterricht, Aufrufen, Zeitliche Festlegungen, Praxisferne, Kategorisierung durch Noten, Gleichheitsdruck usf.
Mit Schule verbinden sich also immer organisatorische Konzepte, die sich fast immer als Nachteile herausstellen müssen.
Es wäre doch beruhigend zu wissen, dass uns Eltern für unsere Kinder alle Türen offen stünden, unter Umständen auch die Ausgänge und die Zugänge zu Alternativen.

Warum engagieren Sie sich nicht innerhalb des öffentlichen Systems? Dann wäre wesentlich mehr Menschen geholfen.
Ein steuerfinanziertes Schulsystem hat immer genügend Lobbys und Untertützer. Ich persönlich habe nicht viel Hoffnung für prinzipielle Veränderung innerhalb des staatlich organisierten Systems. Einfache Familien, die Alternativen wünschen oder brauchen, haben hierzulande bislang nie wirklich Rechte zugestanden bekommen, obwohl sie es sind, die die Gesellschaft ausmachen. Sie sind es, die am Ende für die in ihnen aufwachsenden Kinder zur Verantwortung gezogen werden und die ihre Kinder am besten kennen und verstehen. Ein Schulsystem, auch noch staatlich einheitlich dominiert, als einziges Bildungsmodell, kann nur eine Sackgasse sein. Also: Eltern mit ihren Kindern an die Macht! Als nächster Schritt sollte in Deutschland wenigstens der Weg des Fernlernens frei werden. Darum kümmert sich aber niemand.

LETZTE KONSEQUENZ: HOMESCHOOLING

Ist ein variantes Bildungssystem nicht immer ungerechter als ein homogenes Schulsystem?
Was ist denn gerecht? Viele Kinder müssen in Schulen versagen, obwohl sie fantastische Talente haben. Ist das gerecht, wenn sie alle auf den gleichen Baum klettern müssen oder alle über den gleichen Kamm gebürstet werden? Das Gießkannenprinzip jedenfalls ist ungerecht, weil ihm die Pflanze in seiner Art völlig egal ist. Dagegen halte ich Wahlfreiheit und Angebotsvielfalt für gerechter. Nur in Deutschland fährt man an diesem Punkt immer noch so dermaßen ideologisch und absolut ab.

Wird Bildung durch private Möglichkeiten wie Homeschooling nicht der demokratischen Gestaltung entzogen?
Im Gegenteil: Ohne freie Wahl und genügend Alternativen innerhalb und außerhalb des Schulsystems hat Demokratie erst gar kein Chance. Wir in Deutschland haben uns meinem Empfinden nach zu sehr an die Unterordnung unter die jeweils gerade regierungsamtlich vorgegebenen Marschrouten gewöhnt, statt nationalistische, kapitalistische oder kommunistische Zentraldiktate im Bildungswesen zu bekämpfen. Das hält man dann in sozialistischer Weise für Demokratie. Aber Bildungschancen sind weder auf den staatlichen Rahmen im Schulwesen noch generell auf ein staatlich oder privatwirtschaftlich geführtes Schulsystem beschränkt. Der Weg zu diesen Erkenntnissen ist gerade in Deutschland kein leichter. Selbst die 68er Kulturrevolution vermochte nicht das staatliche "Verschulungsmonopol" abzubauen. Statt das Bildungswesen zu befreien wurde das Schulsystem ideologisch missbraucht (siehe "Marsch durch die Institutionen").

Warum außerschulische Bildung? Es gibt doch auch Privatschulen. Gibt es nicht eine vielfältige Schulversorgung?
Geringfügig andere pädagogische Konzepte sind geografisch zufallsverteilt und nicht etwa dort, wo sie sich günstig auswirkten oder auch finanziell erreichbar sind.
Wenn sich eine Schule in Freiburg auf Legastheniker spezialisiert, ist den 5.000 Hochbegabten in Mecklenburg Vorpommern oder den 10.000 verschieden Lernbeeinträchtigten rund um Hamburg noch lange nicht geholfen. Ein pauschales Schulsystem steht in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Bedarf oder zu dem Wunsch zur Inanspruchnahme, zumindest aus Sicht ihrer Schüler. Eine auf jede Person abgestimmte Passung oder ein individuelles Lernkonzept kann keine einzige Schule bieten. Beziehung und emotionales Erleben als pädagogische Grundvoraussetzung schon gar nicht. Deshalb ist Homeschooling weltweit für viele Familien die letzte Konsequenz.

Wenn der Staat nicht Hoheit über die Bildung haben soll, warum sollten die Eltern sie haben?
Weil sie ihre Kinder am besten verstehen und weil sie in der Regel am Ende sowieso zur Verantwortung für ihre Kinder gezogen werden. Der Staat muss dagegen zusehen, dass das kostenlose "Beschulungsgrundangebot" einen inhaltlichen Rahmen hat, in der dann das Ergebnis möglichst nahe an individuelle Bildung herankommt und jeder wahlfreien Zugang dazu bekommt. Manche bildungsbewußte Familie aber will sich nicht durch die Schule ihr Familienleben versauen lassen, wenn sie die Schule als interferierend empfindet.
60 Jahre staatliches Beamtenschulwesen haben mir bewiesen, dass die eigentlichen Bildungsbedingungen aus sich selbst heraus nicht wirklich reformiert bzw. von Begrenzungen befreit werden können. Niemals wird eine Kultusministerkonferenz mit seiner ganzen "Bürokratur" den in den Dreck gefahrenen Karren mit Bordmitteln heraus ziehen können. Die ständigen Rufe nach immer mehr Staat und Ermächtigung halte ich daher für völlig kontraproduktiv.

Warum können denn Ihrer Meinung nach nicht z.B. kleine Gemeinschaftsschulen die Lösung sein?
Strukturelle Änderungen innerhalb eines exklusiven Schulsystems können eventuell Rahmenbedingungen verbessern, aber niemals die individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler ändern. Durch strukturelle Änderungen wird nur der Rahmen pauschal für alle verändert und keineswegs individualisierend verbessert. Wenn ich Bildung für alle gleich mache, werden die Menschen zwar konformer, aber Chancen und Talente gehen dabei baden. Sowenig, wie man nicht alle zentral ernähren kann, darf man auch Bildung nicht vorkauen und allen aus zentraler Hand vorsetzen. Wo kämen wir hin, wenn alle nur Reis und mit Stäbchen essen oder nur Cola, und zwar durch Strohhalme trinken müßten?
Die Gesamtschule wird jedenfalls mehr ideologischer Kampfbegriff als Bildungsmodell bleiben, solange bis der Staat seine ganzen, über die Jahre gehegten Ansprüche an die Bildungshoheit komplett zurückgenommen hat und von seiner Bildungsplanwirtschaft abläßt. Das wäre die vordringlichste Aufgabe der Politik an dieser Stelle. Loslassen, lösen, sich immer mehr zurücknehmen können.

Was stört Sie am guten deutschen Schulwesen?
Dass es fremdbestimmt für alle gleich ist - gleich schlecht. Es ist optimiert für flächendeckende Beschulung, nicht aber zum aktiven Bildungserwerb. Und mich stört, dass man hier offenbar gesetzlich gezwungen wird, es auf Gedeih und Verderb in Anspruch zu nehmen. Beim Gedanken an bessere Bildung hat die jeweilige Regierung immer nur Schule, seine Struktur und mehr Beschulung im Sinn, während Eltern ohnmächtig zusehen müssen, wie ihre Kinder nach Erfahrungen, nach Leben und nach Beziehung schreien. Im Sinne der Kinder kann das staatlich gelenkte Schulsystem also nur durch einen systematischen Rückbau verbessert werden. Lernen braucht Freiheit und Demokratie braucht Eigenständigkeit, Vielfalt und Auswahl. Stattdessen bestehen die politischen Kochrezepte nur aus der ständigen Erweiterung erzwungenen Schulbesuchs, in den Nachmittag hinein oder durch Ausdehnung der Schuljahre im Vorschulbereich.  Aber durch den zunehmenden Funktionsdruck, fernab von echtem Leben, werden jedenfalls nur die letzten Reste unbeschwerter Kindheit entrissen - ohne wahren Vorteil. Regierungs- oder sogar mehrheitsbestimmtes "Schulnutzungsdiktat" kann Entfaltung nur behindern, ist für viele Familien fatal und für eine freie Gesellschaft unerträglich.

Wie könnte eine Lösung für die Klientel aussehen, die Sie vertreten?
Was die Franzosen, Russen, Engländer und alle anderen Menschen in freien, demokratischen Staaten haben, sind natürlich die Möglichkeit zu allen erdenklichen Bildungsmodellen, die Kinder und ihre Eltern frei wählen können. Durch staatlich zertifizierte Reifeprüfungen können, wie in der weiteren Bildungsbiografie, Qualifikationen erworben werden. Viele Universitäten und auch Ausbilder haben bereits ihre eigenen Aufnahmebedingungen, weil Schulabschlüsse schon von Schule zu Schule nicht mehr vergleichbar sind und weder Talente, Interessen noch Neigungen der Bewerber richtig wiederspiegeln.
Es bestehen die Möglichkeiten der Gemeinschaftsschule, der Reformschulen, aber auch z.B. von Fernschulen, Korrespondenzschulen, demokratischen Schulen, aber auch von kompetenten Elterninitiativen oder der Autodidaktik. Es gibt wirklich unabhängige Schulen mit unkonventionellen, eigenen und individuellen oder mit konservativen Konzepten. Wenn die Schule mit dem geeigneten Konzept zu weit entfernt liegt, tut man sich mit Nachbarn zusammen und wählt ein Homeschooling-Modell. Allein wenn wir in Deutschland die Möglichkeit des Fernunterrichts hätten, könnten sehr viele Probleme deutscher Schulbildungspraxis aufgelöst werden.

Die Befürworter von Bildungsfreiheit werden zwar etwas zahlreicher. Sie scheinen aber noch weniger Erfolg zu haben als Privatschulgründer. Was soll also Ihre Arbeit?
Allein, um die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten in allen anderen Ländern aufzuklären, lohnt sich die Mühe, derart dicke Bretter zu bohren. Mein Wissen um den rechtlichen und vor allem um den guten Bildungserfolg in anderen Ländern, darunter auch in den ehemaligen Ostblockländern, ermutigt mich dazu, keine Gelegenheit auszulassen. Irgendwann wird man auch hierzulande erkennen, dass Bildungsfreiheit neben ganzheitlicher Bildung auch die Freiheit und Entlastung für Familien bedeutet, für Kinder, Jugendliche und ihre Eltern.

(Das Interview führte Lisa Panne für die SDA.) 

 
 

Interessante Links

Buchbesprechung: Der talentierte Schüler und seine Feinde
Talente haben nicht nur hochbegabte Schüler. Daß aber der Umgang mit Hochbegabten exemplarisch für die Fehler des herkömmlichen Schulsystems ist, wird in diesem außerordentlich aktuellen Buch schnell deutlich. Statt sich permanent zu verbessern, wie man dies praktisch aus allen anderen Bereichen des Lebens und der Wirtschaft kennt, marodiert die moderne Schule weiter und grundsätzliche Probleme werden nicht angegangen. Die damit verbundene Tragik für alle Beteiligten macht Salcher anhand von Beispielen deutlich. Die staatlich sanktionierten Reformen laborieren am System, wie man es einem Arzt oder auch nur einem Mechaniker an Leib und Auto niemals erlauben würde. Mit der notwendigen Konsequenz verweist der Autor deshalb auch immer wieder auf derartige Vergleiche: In anderen, wesentlich weniger wichtigeren Bereichen, nehmen die Menschen eine derart inakzeptable Qualität nicht hin. ...
Quelle: http://bildungsfreiheit.org/?id=4682 


Eltern proben den Aufstand: Demonstratino für "Schule mit Zukunft"
... Initiative will sich mit möglichst vielen Elterngruppen vernetzen. Bislang stehe sie mit Eltern aus mehr als 60 Städten im Südwesten in Kontakt. "Eltern haben Macht, wir müssen sie nur zusammenbringen." Die Krankenschwester freut sich auch über das Interesse von Eltern aus anderen Bundesländern. Anfragen habe es bereits aus Hessen, Bayern und Hamburg gegeben.
Quelle: SZON am 18.04.2008
Mutti macht’s besser
Weil es im Londoner Stadtteil Lambeth zu wenig Schulen gab, gründeten Eltern ihre eigene. Sie wählen das Personal aus und treffen alle wichtigen Entscheidungen. Der Staat zahlt.
Quelle: Financial Times Deutschland am 14.04.2008

Hetzjagd auf die Marktwirtschaft
Schulbücher quellen über von marktfeindlichen Irrlehren und antikapitalistischer Rhetorik. Der 1989 überwunden geglaubte Sozialismus feiert in deutschen Lehrmitteln fröhliche Urständ.
Stellen Sie sich ein Deutschland vor, in dem es nur eine Zeitung gibt. Diese wird vom Staat, der den Zeitungsmarkt zwangsmonopolisiert hat, herausgegeben. Es werden dafür zahlreiche Gründe angeführt: Der „Jugendschutz“, „soziale Ungerechtigkeit“ (Reiche könnten sich teuren Qualitätsjournalismus leisten, während Arme auf die billigen Trash-Zeitungen zurückgreifen müssten) und die Gefahr der Verbreitung von Fehlinformationen. Alle vier Jahre gäbe es dann Zeitungswahlen. Die Bürger der Bundesrepublik Deutschland wären aufgerufen, den Chefredakteur für die nächsten vier Jahre zu wählen, der wiederum die Inhalte der Zeitung bestimmt.
Schauen Sie sich nun das real existierende Deutschland an: Es ist ein Land, in dem der Staat tatsächlich fast das komplette Bildungswesen übernommen hat. Er entscheidet einseitig über Struktur, Inhalte und Preis des staatlichen Bildungsangebots (das man aufgrund von Schulpflicht und Zwangsfinanzierung nicht ablehnen kann, weswegen man hier wohl kaum von einem wirklichen „Angebot“ sprechen kann). Alle fünf Jahre wird in den Bundesländern darüber abgestimmt, wie die zukünftige kollektive Schulpolitik auszusehen hat. Auch hier gibt es eine große gesellschaftliche Debatte darüber, wie, wie lange und vor allem was „unsere Kinder“ lernen sollen. Skurrilerweise scheint sich das Wahlvolk nur bei der Forderung nach immer höheren Ausgaben, also einem höheren Preis für Bildung, einig zu sein anstatt nach besserer und kostengünstigerer Bildung. Doch hier soll es weder um Finanzierungsfragen gehen noch um die Schulstruktur. ...
Quelle und mehr: Die Welt, Debatte am 16.4.2008
Primärquelle ist ein Positionspapier der Friedrich-Naumann-Stiftung 
Grundschulkonzept nach 4 Jahren gerichtlicher Auseinandersetzung endlich freigegeben
Die Leichtigkeit, eine Privatschule zu gründen
Der HVD-Nürnberg hat sich gegen den Freistaat Bayern durchgesetzt – Bayerischer Verwaltungsgerichtshof gab heute grünes Licht für die reformpädagogische Humanistische Grundschule in Fürth.
Die zuständige Regierung von Mittelfranken hat den Antrag von 2004 mit der Begründung abgelehnt, an einer solchen Schule bestünde kein besonderes pädagogisches Interesse. Gegen diesen Bescheid erhob der HVD-Nürnberg Klage vor dem Ansbacher Verwaltungsgericht – und wurde abgewiesen.
Am 1. April fand die Berufungsverhandlung vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München statt. Am 16.4.2008 wurde der Tenor des Urteils bekannt: Der VGH hebt dieses Urteil und den Ablehnungsbescheid der Regierung auf und fordert von der Regierung eine Neuentscheidung, die das besondere pädagogische Interesse des eingereichten Konzepts anerkennt. ...
Nun werde mit Hochdruck an den weiteren Genehmigungsvoraussetzungen gearbeitet. Auch organisatorische Maßnahmen könnten nun folgen: Räume müssten gefunden, Lehrer angeworben, Kinder und Eltern begeistert werden. Der HVD-Nürnberg ist bereits Träger von mehren Kindertagesstätten in der Region.
Quelle:  hpd am 15.04.2008
 
 

Literatur / Termine

"Neue Medien: Lernformen der Zukunft"
Berlin, April 2008 - Das Netzwerk Bildung der Friedrich-Ebert-Stiftung lädt am 5. und 6. Mai 2008 zu einer Konferenz über Lernformen. Ist die Nutzung neuer Medien auch in Schule, Aus- und Weiterbildung heute selbstverständlich? lautet eine der Kernfragen, die in Berlin beantwortet werden sollen.
Zu Beginn des ersten Konferenztages erhalten die TeilnehmerInnen Gelegenheit, sich in kleinen Gruppen im Rahmen eines World Café mit SchülerInnen über Umgangsweisen mit neuen Medien zu Hause und in der Schule auszutauschen.
Info: Checkpoint eLearning, Friedrich-Ebert-Stiftung 


Ungerechtigkeit im Schulsystem
Die Friedrich-Ebert-Stiftung leistet in einem neuen Band, was die Sozialdemokraten seit Pisa vergessen haben: die Chancenungleichheit im Bildungssystem zu brandmarken. ...
Am wichtigsten ist wahrscheinlich Heike Solgas Abriss über die institutionellen Ursachen von Bildungsungleichheit. Solgas Text sollte Pflichtlektüre für die Kultusminister werden. ... Zweitens berichtet Solga auch, dass selbst die Lehrpläne bereits eine Benachteiligung enthalten. In den Hauptschulen lernen 58 Prozent der Insassen nur zwei Stunden Naturwissenschaften pro Woche - an Gymnasien sind es 17 Prozent. Drittens ist es der Staat selbst, der die Karrierepfade von Haupt- und Oberschülern auseinandertreibt: aktiv - und durch Unterlassen. In Schweden, England und den Niederlanden besuchen 80 Prozent der Grundschüler eine Schule, in der es Co-Teaching für Leseprobleme gibt. Eine solche zweite Person für Stütz- und Förderunterricht bieten die deutschen Bundesländer nur in 42 Prozent der Primarstufen an. ...
Quelle: taz am 15.04.2008 
Demokratie und Selbstbestimmung
Wie wir Bürger unser Gemeinwesen in Zukunft gestalten
Bürgerkonferenz am 26. April 2008 von 9.00 bis 18.00 Uhr in Klein Jasedow
Diese Tagung soll dazu beitragen, Lösungsansätze zu finden, wie ein Mehr an Demokratie, Selbstbestimmung und Bürgerbeteiligung an der Gestaltung unserer
Zukunft verwirklicht werden kann. Dabei soll herausgefunden werden, wie bürgerschaftliches Engagement den Sprung in die tatsächliche politische Wirklichkeit schaffen kann, und wie konkrete Schritte in diese Richtung aussehen können.
Unterstützend sind als Experten eingeladen:
E.O. Müller, Bundesvorstandsmitglied Mehr Demokratie e.V. und Chefredakteur der Zeitschrift „Zukünfte“, Horst Stowasser, Gründer des „Werks Selbstverwalteter Projekte und Einrichtungen (WESPE), Dr. Rasmus Tenbergen, Geschäftsführer des Institute for Leadership Development und Gerrit Wustmann, Journalist und ständiger Mitarbeiter der Kampagne für eine Parlamentarische Versammlung bei den Vereinten Nationen
Moderation: Johannes Heimrath
Anmeldung: Nadine Knapp, 038374-75214
Weitere Informationen auf der Internetseite der EAHA:  www.eaha.org
Frau Monika Bormann, Landtagsabgeordnete der CDU, bittet bis 21. April unter schule(@)monika-bormann.de unter dem Motto „Macht Schule fit fürs Leben?“ Eltern, Lehrer und Kinder sich zu diesem Thema zu äußern. Bis 21. April soll über Erfahrungen aus dem Schulalltag berichtet sowie Ideen und Vorschläge eingebracht werden. Berichten Sie ihr Ihre Erfahrungen und nicht zuletzt auch die betroffenen Kinder selbst, die jeden Tag in die Schule gehen. 
 
 

Familien und Kinder

Der Große Bruder wird legal
Marxismus pur: Kindeswohl und Elternrecht sollen entkoppelt werden – Wie der Staat sich zum ersten Erzieher aufschwingt
Quelle: Tagespost am 05.04.2008 


Stellungnahme des Deutschen Familienverbandes (DFV) zum Referatsentwurfes eines Gesetzes zur Förderung von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen und in der Tagespflege (Kinderförderungsgesetz)
Herr Stresing, Geschäftsführer des DFV hat sich hier wirklich mutig und engagiert geäußert. Sicherlich hat der Präsident des DFV, Dr. Nees, hier tatkräftig mitgearbeitet.
Seine Anmahnungen und Kritik sowie Forderung nach echter Wahlfreiheit bzw. Gleichstellung der häuslichen Betreuung (700 € mindestens pro Monat an alle Eltern), sowie Subjektförderung durch betreuungsUNabhändige Förderung junger Familien ist fast schon einzigartig auf Ebene von Verbänden.
Zusätzlich prangert der DFV  die von der Bundesregierung eingeschlagene Kehrtwende in der Familienpolitik an.  Wörtlich: "Insgesamt sieht der Deutsche Familienverband im vorliegenden Entwurf wesentliche verfassungsrechtliche, familienpolitische und ordnungspolitische Mängel, die einer sehr grundsätzlichen Kritik bedürften."
Momentan scheint der DFV mit dieser Stellungnahme der einzige Verband zu sein, der sich so kritisch gegenüber der Bundespolitik äußert.
Quelle: Deutscher Familienverband 
Weitreichende gesetzliche Änderungen im Bereich des §1666 BGB, die tief in das Leben von Familien eingreifen und gravierende Folgen haben können. Hier der geplanten Gesetzentwurf im Wortlaut zum Herunterladen: http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/068/1606815.pdf 
 

Schul(system)versagen
Schüler versagen nur, wenn die Schule versagt

Schulstress: Immer mehr Kinder brauchen psychologische Hilfe
273 088 Kinder leben in Hamburg. Um sie geht es in der großen Serie „Wir Kinder in Hamburg“ – über die inzwischen die ganze Stadt spricht. Thema heute: Schule! Stress oder Spaß? Fakt ist: Durch das auf 12 Jahre verkürzte „Turbo-Abitur“ ist die Lernbelastung für Hamburgs Schüler so hoch wie nie. Was vorher in 9 Jahren gelernt wurde, wird jetzt in 8 gepresst. Die Hamburger Elternkammer warnt: „Der Druck kann psychosomatische Störungen verursachen“, sagt Vorsitzender Hans-Peter Vogeler. Die Folge: Immer mehr Kinder brauchen therapeutische Hilfe, können dem Leistungsdruck nicht standhalten! Kinderpsychiater Prof. Michael Schulte-Markwort (51): „Wir fordern von unseren Kindern immer mehr immer früher. Der Bedarf an Kinderpsychiatern ist so hoch wie nie.“ Auch die von BILD und der Techniker Krankenkasse in Auftrag gegebene Studie des Instituts Infratest dimap macht die Unzufriedenheit über unser Schulsystem deutlich. 68 Prozent aller Befragten fordern eine bessere Anpassung der Lehrpläne. Alarmierende 79 Prozent bemängeln zu hohen Unterrichtsausfall. Und 70 Prozent halten kleinere Klassen für sehr wichtig.
Quelle: Bild am 16.04.2008 (mit Film)
Pisa lässt grüßen: Kritik am deutschen Schulsystem
Spätestens seit Pisa steht das deutsche Schulsystem immer mal wieder in der Kritik und wird als wenig effektiv oder sozial ungerecht bezeichnet. Der kürzlich erschienene Wirtschaftsbericht für Deutschland der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) macht da keine Ausnahme und liefert entsprechende Verbesserungsvorschläge. ...
Quelle: Gesichterparty am 15.04.2008 mit Forum 
Blackbox Schule
Warum schneiden deutsche Grundschüler international besser ab als Oberschüler? Die Bildungspolitik bleibt eine Antwort schuldig
Zu den auffälligsten Ergebnissen der vielen internationalen Schuluntersuchungen der letzten Jahre gehört der Befund: „Die im internationalen Vergleich gute Position der deutschen Grundschulen“ geht auf den weiterführenden Schulen in der Sekundarstufe I verloren und „Problemlagen, die bereits in der Grundschule erkennbar sind, verschärfen sich“. ...
Quelle: Tagesspiegel am 11.04.2008 
Mit Handfesseln zur Schule
Warmsen - Mit Gewalt musste die Polizei im Kreis Nienburg einen Grundschüler aus Handfesseln befreien. Der aus Warmsen stammende Siebenjährige habe sich die Metallfesseln selbst angelegt, während ihn seine Mutter mit dem Auto zur Schule fuhr, teilte eine Polizeisprecherin am Freitag mit. Dabei brach der Schlüssel ab. Da alle Befreiungsversuche der Mutter und anderer Helfer vergeblich waren und das Kind bereits in Tränen ausgebrochen war, wurde die Polizei zu Hilfe gerufen. Einem Beamten gelang es schließlich, die bereits stark verbogenen Handschellen mit einer Zange zu knacken und das Kind so zu befreien. Vielleicht wollte der Schüler gar nicht zum Unterricht.
Quelle: Die Welt online am 12.04.2008
Gastkommentar: Deutschlands Schüler sind ahnungslos und stolz darauf
Deutsche Schüler lernen kaum etwas über Marktwirtschaft, Wachstum und Verteilung. Das bereitet politischen Scharlatanen den Boden - und besiegelt Europas Niederlage im globalen Wettbewerb.
Quelle: Financial Times Deutschland am 15.04.2008
 

Leserechos

Aus dem Plädoyer eines OWIG-Bußgeldverfahrens, das dann glücklicherweise eingestellt wurde:
Unser Kind hat, wie in mehreren Intelligenztests nachgewiesen wurde, ein sehr inhomogenes Begabungsprofil: sehr große Stärken stehen sehr großen Schwächen gegenüber, so dass sich insgesamt ein IQ im oberen Normalbereich ergibt. Leider bauen Unterricht und Hausaufgaben, ja das gesamte Unterrichtskonzept nach Lehrplan, vorwiegend auf K.´s Schwächen auf, mit dem Erfolg, dass er weit weniger lernt als er könnte. ...
Im vierten Schuljahr wurde K. kinderpsychiatrisch eine Legasthenie attestiert, diese wurde im 5. Schuljahr von Prof. Dr. W., dem xxxxxx Landesarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, bestätigt. Nun ist aber Legasthenie nichts anderes als ein spezifischer Begabungsmangel für das Lesen und Schreiben, wie man in dem Buch „Legasthenie“ von Professor W. nachlesen kann. ...
Wie für viele Legastheniker, so zeigte sich auch für K. , dass der Nachteilsausgleich nach dem Legasthenieerlass des Kultusministeriums nicht hinreichte, dass er dem Unterricht an der Realschule folgen konnte, obwohl ihm von der Grundschule im Übertrittszeugnis bescheinigt wurde, dass er für das Gymnasium geeignet sei und auch seine nachgewiesene Intelligenz diese Einschätzung seiner Lehrerin bestätigt. Nach wenigen Wochen auf der Realschule XXXX wechselte K. deshalb auf eigenen Wunsch auf die Sprengel-Hauptschule – nur um dort festzustellen, dass er trotz Nachteilsausgleich und bescheinigter Legasthenie in den sprachlichen Fächern um ein „ausreichend“ kämpfen musste, in Mathematik und den Sachfächern nicht hinreichend gefordert wurde und weder bei den Lehrern noch den Kindern Gleichgesinnte in Bezug auf seine Interessen und Begabungen fand. ...
K. braucht einen gänzlich anders gearteten Unterricht, und da unser Schulsystem ihm hier nichts Adäquates bietet, war ich gezwungen, die Unterrichtung selbst in die Hand zu nehmen. ...


Zur Situation von Homeschooling-Familien, die bei Behörden bekannt sind:
Einige Verfahren um schulfreie Bildung wurden eingestellt oder ausgesetzt. Manche Familien werden schlicht in Ruhe gelassen. Wenige Familien dürfen Homeschooling offiziell praktizieren und in zwei mir bekannten Fällen gibt es die schulministerielle Genehmigung, ohne dass die üblichen Schulausnahmetatbestände (wie Transportunfähigkeit) vorliegen.
Aktuelle Medienbeiträge in Vorbereitung:
Presse- und Radiorecherchen um Homeschooling laufen zur Zeit beim BBC London, BBC Radio4 (Learning Curve), Financial Times London und München, Bild London, MDR Berlin, Bayrischer Rundfunk (Bayern2 Radio), BBC Berlin und Arte London.
 

Hinweis zu diesen Kurzinformationen

Alle diese Rundmails sind im Internet verfügbar und können somit jederzeit nachgelesen werden:
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news20.htm (letzte Ausgabe)
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news21.htm (diese Ausgabe)
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news22.htm (nächste Ausgabe)
und so weiter. Die Nummer im Link ist die jeweilige Ausgabe dieser Informationen.
 
 
Impressum

Verantwortlich für den Informationsbrief ist: Schulbildung in Familieninitiative e.V. 
Dipl.-Ing. Jan Edel (Vorstand)
Horringhausen 23
58513 Lüdenscheid

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