Kurzinfo: Schulfreie Bildung

Ausgabe: 17

Liebe Leser, hoch verehrte Eltern und Interessierte,

anbei wieder die wichtigsten Informationen der letzten Woche.  Den nächsten Rundbrief wird es voraussichtlich erst wieder in zwei Wochen geben.

Besten Gruß zum Wochenende,
Jan Edel

14.03.2008

 
 

Nichtschulische Bildung (Homeschooling)

Die Lüdenscheider Nachrichten (LN) hatten am 8.03.2008 über den Artikel des britischen Observer/Guardian zu den Flüchtlingen vom deutschen Schulzwang berichtet (siehe Anhang dieser Mail, „Familien auf der Flucht vorm Staat“). Leider wurde darin einiges ziemlich verdreht, vermutlich, weil die Informationen über eine entrüstete Lüdenscheider Leserin zur LN geflossen waren. Es ist Unsinn, dass die betreffenden Familien vor Nazi-Ideologien in deutschen Schulen geflohen sind. Im Folgenden lesen Sie einen klärenden Leserbrief, der dann am 11.03.2008 abgedruckt wurde.

Schulpflicht-Praxis ist unhaltbar
Die Briten sind, was Staatsgewalt gegenüber Bürgern in Deutschland angeht, durch die Geschichte immer noch sehr sensibilisiert. Falsch ist jedoch, dass irgendjemand behauptet, in Deutschland gäbe es nationalsozialistische Erziehungsziele. Weder britische Zeitungen, noch irgendwelche Eltern haben das verdreht.
Die britischen Zeitungen haben auch nicht  geschrieben, dass Menschen „in Scharen“ aus Deutschland fliehen. Es ist allein von Familien die Rede, die wegen der Unmöglichkeit des privaten, häuslichen Unterrichts in Deutschland das Land verlassen.
Also zu den Fakten: Zwei der vier vom „Observer“ stundenlang interviewten Familien sind tatsächlich aus o.g. Grund geflohen. Viele hundert andere, deutsche Familien sind ebenfalls wegen eines Bildungsansatzes ohne Schulbesuch, den sie hier nicht verwirklichen konnten, in die umliegenden Länder ausgewandert. Soweit, so recht, denn in Deutschland besteht eine besondere Art der Schulpflicht, die es in dieser Form in anderen Ländern eben nicht gibt.  Das ist einzigartig, gibt es doch in allen Ländern der Welt – gedeckt durch die Menschenrechte – auch Möglichkeiten schulfreier Bildung, wie etwa durch Privatunterricht, Fernunterricht oder „otherwise“, womit  juristisch „home education“ oder „homeschooling“ gemeint ist.
Was hat nun aber das Ganze mit den Nazis zu tun? Trotz einer 1919 vereinbarten Schulpflicht, was und welcher seichte Rahmen auch immer damit gemeint war, gab es weiter vielfältige Bildungsangebote, Privatunterricht und Bildung zu Hause. Z.B. durfte auch der spätere Widerstandskämpfer Dr. Dietrich Bonhoeffer mit seinen Geschwistern die gesamte Grundschulzeit bei der Mutter lernen, ohne mit der damaligen Rechtspraxis in Konflikt zu geraten.  Durch das Reichsschulpflichtgesetz von 1938/39 rechtlich untermauert, sorgten schließlich die Nazis dafür, dass – natürlich aus ideologischen Gründen – Bildung für Minderjährige ausschließlich institutionsgebunden zu erwerben war. Der Schulbesuch wurde staatlicherseits erstmalig erzwungen.
Nach dem verlorenen Krieg wurden die an Schulen gebundenen Bildungsgesetze teilweise wortwörtlich in die entstehenden Bundesländer übernommen, natürlich mit Auslassung der nationalsozialistischen Zielsetzung.
Gesellschaftlich müssen wir uns also heute schon fragen lassen, warum ausgerechnet nur in Deutschland und entgegen der Freiheit weltweit alle Modelle des „Homeschooling“ verboten sein sollen. Und wenn die Allgemeinheit, der Staat,  sich schon über die international selbstverständliche Erziehungsverantwortung der einzelnen Eltern hinwegsetzt und per Gesetz Schulbesuch für alle fordert, müßte Bildung ohne Schulbesuch noch lange nicht bestraft werden. Die heute gängige Praxis der Androhung von Sorgerechtsverlust oder Zwangsgeld ist demokratisch und international betrachtet unhaltbar.  (J. Edel)

 
 

Interessante Links

Deutschlandfunk am 11.03.2008 um 07:50 Uhr:
Schulpflicht - nein Danke!
In fast 7 Minuten porträtiert Mandy Schielke eine Berliner Familie, einen "Experten" und den Berliner Bildungssenator.
Quelle: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/03/11/dlf_20080311_0750_691b14cb.mp3


Anlässlich einer erziehungswissenschaftlichen Abschlussarbeit an der Uni in Frankfurt ein ausführliches, neues Interview von Jan Edel zu Bildungsfreiheit, Homeschooling und deutschem Schulzwang
Textprobe:

Warum denken sie, hinkt Deutschland an dieser Stelle hinterher?
... Hierzulande wird nicht einmal geduldet: Es wird sogar verfolgt und bestraft. Das kann man in keinem anderen Land der Welt glauben.
Das größte Problem bei uns ist wohl, dass man in Deutschland – selbst deutschen - Eltern in ihrer Verantwortung grundsätzlich misstraut. Umgekehrt vertrauen viele Eltern bei der Bildung gedankenlos fremden Institutionen und ihren Milieus. Dazu kommt eine historische Belastung, denn Hausunterricht wurde erst seit dem Reichsschulpflichtgesetz von 1938 mit Zwangszuführungen und anderen Strafen geahndet. Ideologische Kräfte, erkennbar z.B. auch im DDR-„Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schule“ von 1949 haben eine lange und hohe Tradition in diesem Land, genauso der Stolz auf ein längst vergangenes Volk von Dichtern und Denkern, die damals allerdings sehr von Hauslehrern profitierten.

Wie müsste das Bildungssystems Deutschland Ihrer Meinung nach aussehen?
Das System muss vielfältiger, individueller werden. Alle Möglichkeiten müssen genutzt werden. Vor allem subsidiäre Potentiale müssen genutzt werden. Eigenes Interesse und Verantwortung von Familien, Eltern und Kindern, müssen gefördert werden. Die Bildung Minderjähriger kann nicht immer nur bedeuten, Hauptsache Schulbesuch. Ergänzende Modelle des Fernunterrichts, des Homeschoolings oder von Lerngruppen müssten die Bildungslandschaft in individuellen Situationen bereichern dürfen. Eltern wird die Verantwortung für eine gute Bildung ihrer Kinder durch das staatlich durchregulierte System zu schnell entzogen. Sie müssen aber in die Bildungsprozesse integriert werden, ja wie in anderen freien Ländern wenigstens rechtlich wieder zum Souverän des Bildungserfolgs gemacht werden. Es reicht nicht, einfach nur auf eine möglichst guten Job für den Nachwuchs zu hoffen und alles andere einer so oder so gearteten Schulstruktur, gegliedert oder einheitlich, samstags oder ganztags zu überlassen. Letztlich sollte aber ein vergleichbares Ergebnis entscheidend sein, also das Was und nicht das Wie oder Wo.

Ist es ein Vorurteil, dass viele Kritiker sagen, Homeschooling-Kinder werden nicht ausreichend sozialisiert?
Es muss ein Vorurteil sein, denn es gibt keine Beweise für schlechte Sozialisation für Nichtschüler. Für Schüler dagegen schon. Und man muss sich fragen, was mit Sozialisation genau angestrebt werden soll. Wer legt das fest? Soll es Mainstream, konformes Verhalten oder Gleichmacherei sein? ...
Übrigens, richtige Kritiker und das „Sozialisations-Argument“ gibt es nur da, wo man keine Erfahrungen mit frei lernenden Kindern hat. Meiner Meinung nach ist die sogenannte „Sozialisation“ als Argument rein fiktiv, denn die meisten Kinder lernen in kleinen Gruppen wesentlich besser, also nachhaltiger und effizienter, und es bleibt viel mehr Zeit übrig zum Spielen, Erkunden und Quatschen mit Freunden. Das durch deutsche Medien gezeichnete Bild von zu Hause eingesperrten Kindern ist böse und niederträchtig. Stets wird suggeriert, dass Nichtschüler weniger Kontakt zu gleichaltrigen Freunden haben. ...

In Deutschland werden Homeschooler derzeitig streng vom Staat verfolgt und mit Bußgeldern bestraft, da es ja eine allgemeine Schulpflicht gibt. Ist dies nicht im Falle der Schulpflicht gerechtfertigt?
Schulpflicht gibt es in anderen Ländern auch, wo sie allerdings dann als Bildungspflicht für Eltern bzw. als staatliche Pflicht zur finanziellen Gewährleistung von Schulen mit Lehrkräften verstanden wird. Die sogenannte deutsche Schulpflicht, wie es sie nur in den Länderverfassungen gibt, wie übrigens in Hessen noch die Todesstrafe, wird erst in den Niederungen der kleinstaatlichen Schulgesetze zum Schulzwang, d.h. zur Anmeldepflicht und zum Besuchszwang. Im Grundgesetz dagegen wird die Todesstrafe ausgeschlossen und auch Artikel 6 zur Freiheit der Eltern, die Erziehung und Bildung ihrer Kinder vorrangig zu verantworten, ließe eine staatliche Erziehungs- und Bildungsvormacht eigentlich nicht zu. Artikel 7 stellt zwar die Schulen mit ihrer Struktur und ihren Lehrkräften unter staatliche Aufsicht, aber wer sollte diese Aufgabe auch sonst übernehmen. Von Verfolgung und Strafen, ja sogar von Sorgerechtsentzug im Falle des Misstrauens einzelner Eltern oder auch Kinder gegenüber diesem Schulwesen kann im Grundgesetz keine Rede sein, wenn nicht einmal hier von einer Pflicht zur Inanspruchnahme oder zum Schulbesuch die Rede ist. Im Gegenteil, das Grundgesetz gibt den einzelnen Bürgern, also den Familien, jede Freiheit und jedes erdenkliche Recht gegenüber der Allgemeinheit, dem Staat, auch wenn das leider Gottes oft anders interpretiert wird. So steht es auch im Einklang zu den Menschenrechten und allen anderen völkerrechtlichen Abkommen.

Welche Grenzen sehen Sie bei Homeschooling in unserem Lande?
Im Moment sehe ich bezüglich Homeschooling nur Landesgrenzen. Wer was anderes als unser Schulsystem wollte, musste leider auswandern. Diese unglaubliche Empfehlung habe ich sogar von vielen hochoffiziellen Stellen gehört und gelesen. Die Ignoranz gegenüber fantastischen Bildungskonzepten im Ausland ist einzigartig bei uns. Und die heimliche Arroganz aller, die für alle anderen, ihnen fremde Kinder bestimmen wollen, wie sie richtig zu unterrichten und zu erziehen sind, halte ich für typisch deutschen Habitus, der völlig überflüssig ist.
Wenn auch hier einst schulfreie Bildungskonzepte ermöglicht werden, beispielsweise durch Fernschulen oder in Anbindung an beaufsichtigende Stammschulen, wird sich der Bedarf und die Praxis schätzungsweise bei ca. 2% aller Bildungspflichtigen darstellen. In Kanada, einem Flächenland, werden zur Zeit etwa 3% geschätzt und in den USA, einem Land mit großem Freiheitsanspruch, sind es schon über 4%.

Sonstiges?
...Die hierzulande auf die Spitze getriebene Institutionalisierung in Verbindung mit staatlich vereinheitlichten und dann noch zwangsverordneten Beschulungsformen in Deutschland führen zu Verstaatlichung und einem risikobehafteten Monopol. Mit diesem Trend, das sollten wir wenigstens gelernt haben, ersteht kein neuer, emanzipierter, freier Geist, keine Kreativität, keine Eliten, sondern es wird weiterhin nur Obrigkeitsdenken und Schulversagen produziert.
Apropos Versagen: Dass das Schulversagen und Desinteresse vieler Schüler vom Versagen des Schulsystems herrühren könnte, wird in Deutschland leider nie erwogen. Immer wird das Problem im Schüler oder in seinem familiären Hintergrund gesucht. Nur zäh und langsam fängt man an zu verstehen, dass selbst die widerwilligsten Schulverweigerer durch andere Bildungsformen ganz neue Chancen erhalten und diese dann zu nutzen vermögen.

Quelle: http://www.homeschooling.de/interview4.htm


Der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger: "Jedes kalifornische Kind verdient eine hochwertige Bildung und Eltern sollten das Recht haben zu entscheiden, was das Beste für ihre Kinder ist". Falls notwendig würde er noch am Freitag das Gesetz ändern, um sicherzustellen, dass Eltern ihre Kinder sich auch zu Hause bilden lassen können. "Eltern sollten niemals bestraft werden dafür, dass sie in besten Absichten für die Bildung ihrer Kinder handeln" sagte Schwarzenegger wütend, weil kürzlich ein Gericht in einem Fall, wider Erwarten, ein Unrecht im Homeschooling einer Familie ansah, wobei kein Elternteil eine Lehrerausbildung habe. "Dieser ausufernde Beschluss gehört von den Gerichten überurteilt und wenn die Gerichte die Elternrechte nicht schützen, dann tun wir es als, als gewählte Volksvertreter."
Anm.: Mit dieser Einstellung in Deutschland würde ich den "Homeschoolator" sofort wählen, egal für welche Partei. :-)
Quelle: http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2008/03/08/MNCHVG0SD.DTL

Der Bildungsminister von Kalifornien beruhigt: "Parents still have the right to home school in our state." (Eltern werden in unserem Land auf jeden Fall das Recht zu Homeschooling behalten).
Quelle: http://www.latimes.com/news/education/la-me-homeschool12mar12,1,7272487.story
Das "Turboabitur" - ein Irrweg?
Fastfoodbildung oder Vorbereitung auf den internationalen Arbeitsmarkt: Ein Pro und Contra zur verkürzten Schulzeit (und damit 2 Plädoyers für eine Bildung, die nicht länger zentral und durch Formvorgaben staatlich dominiert werden darf)
Bitte streichen Sie beim Lesen des Worts "Turbo-Schule im zweiten Beitrag (Contra von Fritz Reheis) innerlich das Wort "Turbo", und schon erhalten Sie ein wunderbares Plädoyer für Homeschooling.
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/magazin/wissen/Bildung;art304,2493013
Frank Plasberg zum Thema "Eltern in Aufruhr - gibt es gute Schulen nur für
Reiche
?" kann hier gesehen und gehört werden. Die "Welt" berichtet und hat ein spannendes Forum eingerichtet: http://www.welt.de/fernsehen/article1791885/Wer_eine_gute_Bildung_will_muss_zahlen_.html .
Quelle: http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2008/20080312.php5
Berliner Verwaltungsgericht gibt Antrag eines muslimischen Schülers statt
Die Richter kamen zu dem Schluss, dass sich der Junge auf seine Religionsfreiheit nach Artikel 4 des Grundgesetzes berufen darf (VG 3 A 983.07). ... Es schließe auch die äußere Freiheit ein, den Glauben zu bekunden.... Außerdem habe die Schule nicht darlegen können, wie das Gebet des Schülers den Schulbetrieb und den Bildungs- und Erziehungsauftrag beeinträchtige. Mitschüler und Lehrer müssten nicht am Gebet teilnehmen. Die Schulleitung könne dem Schüler ein ungestörtes Beten in einem für andere nicht ohne weiteres zugänglichen Bereich des Schulgeländes ermöglichen - und auf diese Weise der Gefahr einer demonstrativen oder werbenden Form des Gebets begegnen.
Quellen: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,540843,00.html
http://www.tagesspiegel.de/berlin/Schule-Gebetsraeume;art270,2492921
Ökonomisierung der Bildung, z.B. durch europäische LLL-Programme (Lebenslanges Lernen)
Quelle: http://www.medienecho.net/738/738.html
Alle diese "Kurzinfos" gibt es fast komplett und mit Suche und weiteren Informationen als Blog: http://mehr-ohne-schule.blogspot.com/
 
 

Termine

Vorankündigung: Die Sendung um Bildungsfreiheit mit Neubronners bei Reinhold Beckmann in der Sendung wird nun nicht am kommenden Montag ausgestrahlt, sondern verschoben.


Nachtcafé am Freitag, 14.03.2008, 22.00 bis 23.30 Uhr im SWR Fernsehen
Arme Kinder
Mehr als 2,5 Millionen Kinder in Deutschland leben in Armut - und trotz wachsenden Reichtums gibt es für sie wenig Hoffnung. Denn ein Leben am Rande des Existenzminimums bedeutet für diese Kinder nicht nur auf coole Klamotten verzichten, sondern häufig auch geringere Bildungschancen und eingeschränkte Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben.
Aufruf zur Demonstration am 15. März in Köln: „Für ein Morgen in Freiheit“
Parteien, Bürgerinitiativen und Berufsverbände rufen bundesweit zur Teilnahme an einer Demonstration gegen die immer weiter fortschreitende Überwachung durch Staat und Wirtschaft auf. Am Samstag, dem 15. März 2008, werden die Bürger in Köln unter dem Motto „Für ein Morgen in Freiheit!“ auf die Straße gehen. Treffpunkt für die Teilnehmer wird um 14.00 Uhr der Roncalli-Platz (“Domplatte”) in Köln sein.
Quelle: http://www.ccc.de/updates/2008/demo-koeln
 
 

Familien und Kinder

Ausgewählte Informationen zu dieser Rubrik werden an dieser Stelle in Zukunft wieder eingestellt. Es wird aber ausdrücklich auf den ständig aktualisierten Pressespiegel verwiesen unter http://www.familientrends.de .


Kindergeld hilft vielen Familien überhaupt nicht
Die Große Koalition hat sich auf eine Anhebung des Kindergelds verständigt und preist es als Segen für Familien. Dabei entpuppt es sich als Milliardenpaket ohne große Wirkung: Gutverdiener spüren es kaum. Bedürftige wie Hartz-IV-Empfänger und Alleinerziehende profitieren davon gar nicht.
Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article1779340/Kindergeld_hilft_vielen_Familien_ueberhaupt_nicht.html 
Schlechtes Deutsch trotz Kitabesuchs
Das kostenlose Kitajahr hat offenbar in diesem Jahr noch keine Wirkung gezeigt. Die Sprachdefizite der Schulanfänger stagnieren weiter auf hohem Niveau.
Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Sprachtests Deutsch plus, die jetzt bekannt wurden. Demnach sprechen 23 Prozent der künftigen Erstklässler so schlecht Deutsch, dass sie vor der Einschulung noch einen Sprachkurs machen müssen. Im vergangenen Jahr, als das letzte Kitajahr vor der Einschulung noch nicht kostenfrei war, lag der Anteil bei 24 Prozent. Özcan Mutlu von den Bündnisgrünen nannte die Zahlen „erschreckend“.
Insgesamt waren über 25 000 Kinder getestet worden, von denen 5800 eine intensive Sprachförderung benötigen. Von ihnen haben 70 Prozent einen Migrationshintergrund, die anderen stammen aus deutschsprachigen Elternhäusern. 365 Kinder besuchten keine Kita. Dies entspricht etwa sechs Prozent der künftigen Erstklässler. Auffallend ist, dass die von Rot-Rot beschlossene Beitragsfreiheit des letzten Kitajahres vor der Einschulung nicht viel änderte: Vorher lag der Anteil der Kinder, die bis zur Einschulung zu Hause bleiben, etwa genauso hoch.
Die Tatsache, dass tausende Kinder trotz Kitabesuchs schlecht Deutsch sprechen, belegt für Mutlu, dass die Förderung in den Kitas noch nicht optimal läuft. Seine Fraktion hat erst im Februar den Antrag gestellt, die Sprachförderung in Schulen und Kitas zu evaluieren und die Arbeit der Erzieherinnen in diesem Bereich zu „professionalisieren“. Hier werde noch nicht genug getan.
Die Ergebnisse von „Deutsch plus“ gab Bildungs-Staatssekretär Eckart Schlemm (SPD) am Donnerstag im Schulausschuss bekannt.
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/Bildung;art270,2490644
 

Schul(system)versagen

Gewalttat an Schule legt erhebliche Defizite im Sozialverhalten offen
10.03.2008: Schwerin/MVregio Der Bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Marc Reinhardt hat nach der Misshandlung eines 14-jährigen Schülers eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und Mitmenschlichkeit an der betreffenden Schule in Picher (Landkreis Ludwigslust) angemahnt.
"Wenn zwei Schüler einen anderen Schüler derart misshandeln und weitere Schüler der Gewalttat ungeniert beiwohnen und das ganze auch noch Filmen, so zeigen sich erhebliche Defizite im Sozialverhalten. Wer angesichts einer solchen Tat nicht einschreitet oder zumindest das Lehrpersonal informiert, macht sich mitschuldig. Dies muss den betreffenden Schülern klargemacht werde. Dem Grunde nach handelt es sich hier ganz offensichtlich um den Tatbestand der 'unterlassene Hilfeleistung'", so Marc Reinhardt.
"An der Schule muss dringend noch einmal in allen Klassen intensiv über die Grundlagen eines mitmenschliches Zusammenlebens gesprochen wird. Die Achtung des Anderen, Gewaltfreiheit und Solidarität mit dem Schwachen sind Kernelemente unserer demokratischen Gesellschaft. Es ist neben dem Elternhaus auch die Aufgabe der Schule dies zu vermitteln", unterstrich der CDU-Landtagsabgeordnete abschließend.
Quelle: http://www.mvregio.de/nachrichten_region/97434.html


Viele Schüler ohne Abschluss
OSTERHOLZ-SCHARMBECK (RSC). In Hambergen kehren 12,3 Prozent der Schulabgänger ihrer Schule ohne Abschluss den Rücken. In Schwanewede liegt die Quote bei 10,3 Prozent, und in Osterholz-Scharmbeck verlassen 9,9 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Zertifikat. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der IHK Stade hervor.
Quelle: Weser Kurier am 11.03.2008

ABGEBRANNTES GYMNASIUM
Eine Idee endet in Flammen
Das Großfeuer in einem Wiesbadener Gymnasium, gelegt von einem überforderten Elftklässler, offenbart ein tiefes Zerwürfnis unter Lehrern. Linke Idealisten und schneidige Erneuerer liegen im erbitterten ideologischen Streit. Zur Debatte steht eine ganze Schulform. Von Bruno Schrep mehr...
Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,539611,00.html
Neben dem brandneuen Kinofilm "Die Welle" hört oder liest man nur selten authentische Berichte und Warnungen bezüglich der Gefahr möglicher Beeinflussung und Konformierung von Schülerschaften durch Gruppendynamiken und kollektive Ausrichtung. Der Österreichische Zeitzeuge F.K.Stanzel erinnert sich an 1938, wie widerstandslos, ja teils sogar freudig, politisch gewünschte Ideologien durch Schule und Schüler aufgenommen wurden. Auf einem anderen Blatt steht, dass es zudem das Geburtsjahr des forcierten und strafbewehrten Schulbesuchs in Deutschland war und bei uns bis heute fortlebt.

Leicht formbares Menschenmaterial
... Dann kam wenige Tage nach dem Einmarsch {der Nazis 1938 nach Steyr} am 12. März ein Erlebnis, das, wäre ich weniger autoritär und den politischen Verhältnissen gegenüber kritischer erzogen worden, mich zumindest hätte hellhöriger machen müssen. Eines Nachts wurde ich zusammen mit vier oder fünf anderen Schulkollegen vom Präfekten des Konvikts aus dem Bett geholt und zu einem Verhör in der Kanzlei des Pater Direktors geleitet. Dort saß am Schreibtisch ein Mann in schwarzem Ledermantel, der uns einzeln verhörte. Einige der Mitschüler, die sich jetzt als "Illegale" ausgaben, hätten sich von uns Jung-Sturmschärlern bedroht gefühlt. Das war reine Wichtigtuerei, die offensichtlich auch von dem SS-Mann nicht ganz ernst genommen wurde. Vermutlich war das Ganze eher als eine Drohgebärde gegenüber den Franziskanern gedacht.

In der Tat folgte bald darauf die Ankündigung, dass die Wehrmacht das Schloß Vogelsang {das damalige Realgymnasium für Knaben} requirieren werde. Was mich der Schwarzmantelträger gefragt hat, weiß ich heute nicht mehr. Ich kann mich aber noch genau an eine Geste erinnern, die er setzte, während ich vor ihm stand: Plötzlich ergriff er das Dollfuß-Bild, das auf dem Schreibtisch des Direktors stand, drehte es um und legte es mit der Bildseite nach unten auf den Schreibtisch. Dazu bemerkte er – und seine Worte habe ich noch gut in Erinnerung: "Den brauchen wir jetzt nicht mehr!" Das nächtliche Verhör blieb für uns folgenlos, ja, wir Verhörten fühlten uns sogar ein wenig ausgezeichnet durch die Aufmerksamkeit, die die neuen Machthaber uns entgegenbrachten. Eine psychologisch höchst bemerkenswerte Reaktion auf eine, wenn zunächst auch noch harmlos scheinende Einschüchterung.

Überall begann jetzt eine große Umorientierung, die mit der "Reeducation", wie sie von den Alliierten nach dem Krieg an den Angehörigen des Dritten Reichs versucht wurde, nichts oder nur wenig gemein hatte, zumindest was uns Jugendliche betraf. Wir hatten buchstäblich nichts zu verantworten und kaum etwas zu befürchten. Aufgrund unserer bis dahin durchgehend autoritären Erziehung und Bildung waren wir leicht formbares "Menschenmaterial" geworden, ein schrecklicher Terminus, an den wir uns bald gewöhnten. ...

Am schwersten fällt mir heute, meine Unbekümmertheit und Passivität vor mir selbst zu rechtfertigen, mit der ich, wie auch alle anderen in der Klasse, geschehen ließ, was einige Rowdies unserem einzigen jüdischen Mitschüler, Sohn des Inhabers des Konfektionshauses Garde in der Engegasse, antaten. ...
Dieser rasche Gesinnungswandel wäre selbst unter Berücksichtigung unserer jugendlichen Verführbarkeit heute kaum zu verstehen, wüsste man nicht, dass es im Programm der Vaterländischen Front und dem Nationalsozialismus ideologische Berührungspunkte gegeben hat, die heute weithin vergessen sind oder verdrängt werden. So lese ich in dem mir damals übergebenen Programm der Ostmärkischen Sturmscharen, angefertigt vom "Reichsführer" Dr. Kurt Schuschnigg, nach einer katalogartigen Selbstdefinition des Sturmschärlers als Katholik, Deutscher und Österreicher (in dieser Reihenfolge!) Folgendes:
Österreich habe "Hab und Gut, Blut und Wesen in die Schanze geschlagen, um deutsches Wesen und christlich-abendländische Kultur vor den Instinkten Asiens und des Balkans zu schützen. [...] Daher kämpfen wir gegen Verwüstung und Entchristlichung unseres Volkes und Kulturlebens; gegen den jüdisch-liberal-sozialistischen Geist des Materialismus", usw. usw.

Wenn das ernsthaft unser Programm war, konnten wir das dann mit Hilfe der so viel mächtigeren Deutschen und ihrem großen Führer nicht besser verwirklichen denn als kleines, auf sich selbst gestelltes Österreich? Sollte das einem Fünfzehnjährigen, der obendrein in seinem kurzen halbwüchsigen Alter nie erfahren hatte, was demokratische Selbstbestimmung für ein Leben in Freiheit bedeutet, nicht einleuchten?

Franz Karl Stanzel ist Anglist und Literaturwissenschaftler. Er war Professor in Göttingen und Erlangen, heute ist er emeritierter Professor an der Universität Graz.
Quelle: http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/368870/index.do
Das Geschäft mit Nachhilfe boomt
Das Geschäft bei Nachhilfe-Lehrerin Kristin Hausmann in Hanau brummt. «Die Nachfrage steigt ständig», sagt die Leiterin einer privaten Nachhilfeschule, die zur bundesweiten Studienkreis-Kette gehört.
Quelle: http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Wirtschaft/Artikel,Das-Geschaeft-mit-Nachhilfe-boomt_arid,1188482_regid,2_puid,2_pageid,4557.html
 

Leserecho

Hallo Herr Edel, vielen Dank für die Newsletter. Leider komme ich erst jetzt dazu mich zu melden, da ich mit unserer Zukunftsplanung beschäftigt bin. Auch bei uns hat das Jugendamt bereits lautstark im Vorgarten - für alle Nachbarn hörbar - mit der Kindeswegnahme aller 3 (!) Kinder, von denen zwei noch nicht im schulpflichtigen Alter sind, gedroht. Wir haben große Angst und lassen die Kinder keinen Moment mehr allein. Wir müssen uns beeilen. Die Newsletter mit den neuen Plänen zu Rechtsvorschriften sind auch nicht dazu angetan, uns zu beruhigen. Bei uns gibt es noch eine besondere Konstellation, da unsere Tochter leicht gehbehindert aber voll lernfähig ist. Der Weg in Deutschland lautet Lebenshilfe - "Förderschule"-Werkstätten. Das können wir nicht einsehen. Auch mit einem Gehstock kann man Verantwortung für sein Leben übernehmen und seinen Lebensunterhalt verdienen, wenn man die Chance bekommt. Förderschulen sind ein besonderes Kapitel. Unsere Tochter war kurz dort. Was wir dort erlebt haben, würden Sie mir nicht glauben. Es sind keine Förderschulen, sondern Aufbewahrungsorte. Mir tun die Kinder und Jugendlichen so unendlich leid, die dort geparkt sind und sich nicht wehren können. Mit herzlichen Grüßen Ihre R.M.
 

Hinweis zu diesen Kurzinformationen

Alle diese Rundmails sind im Internet verfügbar und können somit jederzeit nachgelesen werden:
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news16.htm 
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news17.htm (diese Ausgabe)
http://www.homeschooling.de/index.htm?news/news18.htm (nächste Ausgabe)
und so weiter. Die Nummer im Link ist die jeweilige Ausgabe dieser Informationen.
 
 
Impressum

Verantwortlich für den Informationsbrief ist: Schulbildung in Familieninitiative e.V. 
Dipl.-Ing. Jan Edel (Vorstand)
Horringhausen 23
58513 Lüdenscheid

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