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Celina* ist nun 7 Jahre alt. Noch vor ihrem 2. Geburtstag soll sie ihre natureigene Zielstrebigkeit bewiesen haben, indem sie laut hörbar mitteilte: „Hunger!“ und „Schmerzen“, um mit dem nächsten Wort „Kuchen!“ zu fordern. Das heute trotzdem zierliche, blonde Mädchen lebt mit ihrer kinderreichen Familie abseits der Stadt in einem winzigen Dorf. Bäche, Wiesen und Wälder sind ihre Umgebung und geben ihr geschützte Erfahrungen mit Natur und Selbstversorgung. Das tiefe, elterliche Vertrauen in den Erfahrungsdurst, die Neugier und die Lebenslust der Kinder und eine gute, feste Beziehung dieser zu ihren Eltern sei wesentlich zur Entfesselung der Lernfreude, sind Celinas Eltern vom Prinzip der ‚festen Bindung‘ überzeugt. Unterstützend kommen die von Eltern früh angebotenen Lernmöglichkeiten und Materialien hinzu, was in Celinas Zuhause direkt ins Auge fällt. Die Freude der Eltern an ihren aufwachsenden Kindern, an ihrer innigen Beziehung und an der Entfaltung ihrer Gaben und Fähigkeiten sei ihr Lohn dafür, dass sie sich möglichst viel mit den Herzen der Kinder beschäftigen. ‚Approximation‘ wird dies wissenschaftlich genannt und stellt die Basis für alle Lernprozesse dar. Mit dem Hinweis, dass sie schon groß sei, riss sich Celina eines Tages selber die Windel ab, als ihre Mutter beim gemeinsamen Basteln Celina den Klebestift versagte. Nach dieser Demonstration solle das Kind dann so ebenso konsequent wie resolut gefragt haben: „Mama, darf ich jetzt Klebe haben?“. Das kleine Mädchen sei gerade 2½ Jahre alt gewesen, als ihr vier Jahre älterer Bruder sie beim Beobachten der Gartenfauna einmal aufforderte, „Eichhörnchen“ zu sagen. Darauf entgegnete sie selbstbewusst: „Ei-Hörnchen! - mein Mund ist noch zu klein“.
"Bei all dem Wehgeschrei über den Zustand der Bildung wird ein Bildungsort, vielleicht der wichtigste überhaupt, häufig vergessen oder nur gestreift: Die Familie" Daniel Goeudevert, Der Horizont hat Flügel, 2001
Ihre Eltern meinen indes entdeckt zu haben, dass sich Celina wie ihre älteren Geschwister ohne Fremdbetreuung und Schulbesuch wesentlich freier entfalten und intensiver lernen könne: „Sie lernt ungestört und ihrem eigenen Drang und Tempo entsprechend“. Der vierwöchige Besuch einer international besetzten 2. Klasse im Frühsommer ’05 bestätigte ihre guten sozialen Fähigkeiten und ihren bisherigen Lernerfolg durch ein eindrückliches Zeugnis – Englisch inbegriffen. Zum Schuljahresende in diesem Jahr schloss Celina in Bestätigung einer internationalen, allerdings in Deutschland nicht anerkannten Fernschule, die bis zur Hochschulreife führt, die 3. Klasse ab. Zu den Erkenntnissen über bessere Lernbedingungen komme den Eltern zufolge hinzu, dass die zuständige Pflichtgrundschule der Kinder knapp eine Stunde von ihrem Zuhause entfernt liege. „In diesen zwei Stunden vergeudete Lebens-, Lern- und Spielzeit jeden Tag schreibt Celina zuhause lieber Briefe, E-Mails, Aufsätze und kleine Bücher“, betont ihre Mutter. Ihre älteren Geschwister zum Vorbild und Ansporn gesetzt, habe sich Celina die Kulturtechniken Lesen, Rechnen, Schreiben unter der Lernbegleitung und der Ermutigung ihrer vollzeitlich zu Hause tätigen Mutter erworben. „Weitgehend eigenständig!“, wie die Dipl.-Kulturpädagogin gerne zugibt, die ihre Rolle als Familienmanagerin und Lernbegleiterin bewusst und gerne wahrnimmt. Auf diese Weise sind allen Kindern der Familie Kindergarten und Grundschule bislang fremd geblieben.
Wie viele Familien weltweit ist diese Familie davon überzeugt, dass der Erwerb der Elementarbildung ohne öffentlichen Kindergarten und Grundschule aus ihrem natürlichen Umfeld heraus kindgerechter, individueller und auch umfassender erreicht werden könne. Celina‘s pädagogische Freude, ihrem kleinen Bruder Buchstaben und Rechenspiele beizubringen und auch sonst verantwortungsvoll und fürsorglich mit ihm umzugehen, zeigt, wie sogenannte Schlüsselkompetenzen lebensnah und im Miteinander mit Nachbarn, Freundinnen und Verwandten jeden Alters ganz organisch und unaufgesetzt erworben werden können. Die vielen Reisen und Außenkontakte der Familie wirkten sich zusätzlich günstig auf die sozialen Fähigkeiten der Kleinen aus, die mit Amerikanern wie mit Russlanddeutschen jeder Couleur gleich offen und freundlich umzugehen wisse. Celina besitzt heute Zeugnisse der ersten, zweiten und dritten Klasse. Aus verschiedenen Kalenderjahren kommen noch zwei eindrucksvolle, staatlich anerkannte Abschlusszeugnisse der zweiten Klasse hinzu, die sie aufgrund von Schulbesuch gegen Ende der entsprechenden Schuljahre erwarb. Auf Druck des Schulamtes und gegen ihren erklärten Willen wird Celina nun in die dritte Klasse der zugeordneten Grundschule geschickt, obwohl sie die Lernziele dieser Klasse mühelos beherrscht.
Einen jungen Menschen unterrichten heißt nicht, einen Eimer füllen, sondern ein Feuer entzünden. Aristoteles, 384 - 322 v. Chr.
Nach dem Willen der Eltern soll das Mädchen wie ihre älteren Geschwister Tobias und Laura eine gute, weiterführende Schule besuchen, wenn sich ein geeigneter Zeitpunkt ergebe. Nur Zwang und Gewalt diesbezüglich wollen die Fürsorgepflichtigen auf keinen Fall anwenden, um der Tochter ihre bisherige Lernbereitschaft, Unbeschwertheit und Offenheit nicht zu zerstören.
Die traditionelle Rechtsprechung in Deutschland fordere laut Erfahrungsberichten im Extremfall aber genau dies von allen Eltern – völlig unabhängig von der jeweiligen Situation. Das Kind müsse schon halbtot oder transportunfähig sein, um eine zumindest vorübergehende Befreiung von der Nutzungspflicht, dem Anwesenheitszwang in einer Grundschule zu erhalten. Die Akzeptanz der Schulbehörden gegenüber einer außerschulisch gestalteten Bildungsbiografie hielte sich mit dem schlichten Hinweis auf Präzedenzgefahr und auf die in Deutschland übliche Art der Schulpflicht, gelinde gesagt, in Grenzen. Als Druckmittel erlebten Eltern wie die von Celina Beugehaft, existenziell bedrohliche Zwangsgelder und sogar Sorgerechtsentzug.
Nach einiger Zeit in der dritten Klasse ist die Situation nun wie folgt: Celina hat sich verändert. Sie klagt über Lautstärke in der Schule und Kopfschmerzen danach. Unruhig, eigentlich sogar zappelig ist sie geworden. „Die neue Klassenlehrerin beklagte sich beim Elternabend, dass das Gros ihrer Schüler ein halbes Schuljahr im Lehrplan zurückliege“, so der Vater. Das diese Kinder keine Chance auf einen Platz auf dem Gymnasium haben werden, wurde dabei nicht ausdrücklich gesagt. Zur Aufbesserung des Klassendurchschnitts wird Celina nun vermehrt dafür eingesetzt, im hinteren Teil der Klasse Problemschüler zu unterrichten. Oder sie zeigt ihrer Lehrerin, wie das Notebook anzuschließen ist, wie sie selbst erzählt. Den schulischen Vorsprung hat sie ja, denn laut schulpsychologischer Fähigkeitsprüfung hielte sie dem Durchschnitt einer fünften Klasse stand. Zu gerne würde sie wieder in Ruhe für sich lernen und insgesamt viel mehr Zeit zum Spielen und entdecken haben, wie sie sich äußert. So aufzuwachsen und sich seine Elementarbildung zu erwerben, ist offensichtlich in Deutschland staatlich nicht geregelt. Dagegen ist das Lernen ohne Schulbesuch oder Fernunterricht im Rahmen der Schulpflicht bereits weltweit ermöglicht. Während man in Deutschland meint, pauschal heftige Buß- und Zwangsgelder verhängen oder aus diesem Grund das Sorgerecht zum vermeintlichen Wohl der Kinder entziehen zu müssen, treten Offizielle weltweit wesentlich toleranter und differenzierter gegenüber solchen Familien auf. „Wir können solche Familien nur unterstützen darin“ wird von italienischen Schulämtern berichtet. In England sind selbst Schulleiter angetan und begeistert von den Eltern, die die Verantwortung der Bildung ihrer Kinder durchgängig selbst übernehmen. Anderen Quellen zufolge hält man in Dänemark staatliche Kontrollen sogar für Misstrauen gegenüber der Elternkompetenz und in Irland werden sie für Missbrauch staatlicher Gewalt gehalten. Als zukünftige Politiker würden viele deutsche Kinder ganz schnell flexible Bildungsmodelle bei uns durchsetzen. So fordert Celina heute schon: „Homeschooling muss es immer geben!“.
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