Erfahrungen mit Homeschooling in Deutschland und England

SEITE
Ein Bild aus vergangenen Tagen: In der Küche ihrer Wohnung Am Willigloh unterrichtete Natascha Skeet ihre Kinder und die befreundeter Familien. (WR-Bild: Raith)

Die Behörde als Partner, nicht als Feind

Lüdenscheid. (CMz) Im Oktober hat sie Lüdenscheid und Deutschland den Rücken gekehrt, weil ihr Kampf gegen die deutsche Schulpflicht aussichtslos schien: die Familie Skeet. Die Lüdenscheider Anhänger des Hausunterrichts leben seit Ende Oktober in Großbritannien auf der Isle of Wight, einer Insel im Ärmelkanal. Jetzt erreichte die WR ein erster Bericht. "Erfahrungen mit Homeschooling in Deutschland und in England" hat Jonathan Skeet seinen Text genannt, der die Situation der Familie vor der Auswanderung mit der heute vergleicht. Die WR veröffentlicht den Bericht im Wortlaut: "Heute Nachmittag hatten wir Besuch von einer Repräsentantin der lokalen Bildungsbehörde. Die Dame, Mrs. D., kam um 15 Uhr und blieb für ungefähr eine halbe Stunde bei uns. Während dieser Zeit hatte sie Einblick in das Material, das wir mit unseren Kindern benutzen, in einiges der schriftlichen Arbeit, die sie erledigt haben. Sie sah die Bilder, die sie gemalt haben und hörte sogar einem kleinen spontan dargebotenen Klavier-Violine-Duett, gespielt von unseren zwei ältesten Töchtern, zu. Der Besuch war eine sehr freundliche und angenehme Angelegenheit. (...) Sie war bemüht, zu unterstreichen, daß sie nicht da war, eine offizielle Kontrolle der Unterrichtung unserer Kinder durchzuführen - ob sie irgendeinem bestimmten Programm oder Plan folgen -, sondern nur, um zu erfahren, ob wir mit der Situation fertig werden, ob unsere Kinder lernen und sich entwickeln. Sie sagte, es sei unsere Sache, wie wir unseren Hausunterricht strukturieren möchten - entweder mit formalen Lektionen, wie in einer staatlichen Schule oder durch weniger formale Methoden, in Anlehnung an mehr praxis- oder erfahrungsorientierten Kontext. (...) Sie konnte die Herausforderungen des Homeschooling nachvollziehen, da sie ihren Sohn auch zuhause unterrichtet hat. Sie gab uns auch den Hinweis, den Schulleiter der örtlichen Grundschule anzusprechen, und er würde eine Benutzung der Sporteinrichtungen nachmittags oder abends ermöglichen, falls wir dies wünschten. Schließlich kündigte sie an, gern in drei Monaten noch einmal zu kommen, falls wir dies wünschten. Danach könnte sie einmal jährlich vorbeikommen. Wir sind sehr froh darüber, dass sie da war, zumal sie uns ihre Hochachtung erwiesen hat, diesen Bildungsweg für unsere Kinder eingeschlagen zu haben. Und sie konnte uns praktische Hilfe anbieten. Wir sind nicht verpflichtet, irgendjemand von den Bildungsbehörden in unser Heim zu lassen, möchten dies aber gern. Wir wollen mit ihnen zusammenarbeiten und sie als Partner sehen - nicht als Feinde. Wir sind nach England, gezogen, weil wir von den deutschen Schulbehörden in Lüdenscheid aufgrund unseres familiären Lernkonzepts extrem drangsaliert worden sind. Trotz zahlreicher Einladungen lehnten sie jeden Besuch bei uns ab und sie verhängten Buß- und Zwangsgelder in Höhe von 6 700 Euro, deren Einzug sie mit der Konfiszierung unseres Autos erzwangen (...). Sie sandten Sozialpädagogen, um die Kinder zu überprüfen. Nach eingehender Musterung und dem gewonnenen Eindruck von einer erstrebenswerten Form familiären Zusammenlebens leiteten sie trotz seiner positiven Stellungnahme den Fall an das Familiengericht weiter. Dies sollte überprüfen, ob nicht noch andere Schritte gegen uns eingeleitet werden könnten, zum Schutz und Wohl der Kinder - was für ein Kontrast zu unserem neuen Leben hier auf der Isle of Wight. (...) Während ihres Besuchs bei uns habe ich Mrs. D. von unseren Problemen in Deutschland erzählt. Sie schaute ungläubig, schüttelte ihren Kopf und wandte sich sprachlos und frappiert ihren Dokumenten wieder zu."

HINTERGRUND

15.02.2007
Kinder waren nie in der Schule

Ende Oktober hat die siebenköpfige Familie Skeet Deutschland den Rücken gekehrt und ist nach England ausgewandert. Die beiden ältesten Kinder hätten zur Westschule gehen müssen, haben dort aber nie am Unterricht teilgenommen. In diesem Jahr hätte das dritte Kind eingeschult werden müssen. Auch die Zwangsmaßnahmen haben die Familie nicht überzeugen können.

URL: http://www.westfaelische-rundschau.de/wr/wr.luedenscheid.volltext.php?kennung=on9wrLOKStaLuedenscheid39126&zulieferer=wr&kategorie=LOK&rubrik=Stadt&region=Luedenscheid&auftritt=WR&dbserver=1. Stand 16.02.2007